Ostallgäu
Das Mühlendorf an der Kirnach

An den südlich von Kaufbeuren in die Wertach fließenden Bäche Geltnach und Kirnach lagen viele Mühlen: «Oft reihte sich an den Flussläufen Mühle an Mühle», so die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung. Doch übrig blieben nur noch Fragmente. Gerade die untere Mühle in Ruderatshofen ist ein Beispiel, wie schwierig es ist, Denkmäler der Wirtschaftsgeschichte zu erhalten.

«Die Zahl der Getreidemühlen in Bayern nahm stark ab. Von 4440 im Jahre 1946 auf etwa 400 im Jahr 1996», berichtet die Gesellschaft weiter. In Ruderatshofen gab es zwei Getreidemühlen an der Kirnach - die Untere und die Obere. Beide sind in der Zeit des großen «Mühlensterbens» ab den 1960er Jahren stillgelegt worden. Dabei weise schon der ursprüngliche keltische Name von Ruderatshofen, «Hrvodoldishova», auf die Mühlentradition hin. «Der Name kommt vom Begriff Mühlendorf», erläutert Bürgermeister Johann Stich. 919 schenkte eine Edelfrau Azila ihren Besitz dem Kloster St. Mang in Füssen - dazu gehörte die Obere Mühle. So steht es ist der Festschrift zum 1150. Geburtstag von Ruderatshofen. «Bis auf den Mühlstein ist heute nichts mehr da», so Stich.

Auch die Untere Mühle scheint eine ähnlich lange Geschichte zu haben, meint Georg Abröll von der schwäbischen Bezirksheimatpflege. Sie war 1545 ein Erblehen von Kemnat und gehörte lange zur Grundherrschaft des Hochstifts Augsburg. «Ein Fliehkraftregler sorgte für kontinuierlichen Zulauf zum Wasserrad, das im Inneren des Gebäudes ein großes Zahnrad bewegte. Von dort wurde die Kraft des Wassers auf die verschiedenen Mahlgänge übertragen», erklärt Abröll die Technik (siehe Infokasten). 1838 soll das heutige Gebäude entstanden sein, und bis zu fünf Mühlräder die Mahlsteine angetrieben haben.

«Ihre Einrichtungen sind noch vorhanden, aber das Mühlrad ist in einem katastrophalen Zustand», berichtet der Bürgermeister. Bereits Ende der vorigen Dekade versuchten Bürger, das marode gewordene Mühlrad zu retten. Ein Verein sollte gegründet werden, erste Spenden kamen. Doch 2001 hätte allein die Renovierung des Rades 30000 Euro gekostet. Noch heute gibt es keine Einigung über den Weiterbestand des «prägenden Zeitzeugen, nämlich der Unteren Mühle, die eines der letzten Wasserräder im Umkreis trägt.» Mit diesen Worten wendete sich ein Leser an die Allgäuer Zeitung. Werde die Mühle restauriert, will sich die Gemeinde beteiligen, versichert Stich. Schließlich sei sogar noch ein Wasserrecht und damit die Möglichkeit zur Stromerzeugung vorhanden.

Im benachbarten Biessenhofen mit seinen Ortsteilen gab es einige Mühlen an der Geltnach. Die Schlossmühle in Hörmannshofen von 1551 mit fünf Mahlgängen, die 1960 geschlossen wurde. Die spätere Säge produziert mit einem unterschlächtigen Wasserrad Strom, erläutert Bürgermeister Wolfgang Eurisch. Zudem gibt es noch die Sägemühle in Altdorf, deren Mahlmühle 1971 stillgelegt wurde. Das Werk verfügte über fünf Mahlgänge und soll aus dem neunten Jahrhundert stammen. Zudem gab es eine Mühle im Hauptort Biessenhofen.

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