Ed Ruscha
Das Kunsthaus Bregenz widmet Kalifornier eine Werkschau

'Wir sind stolz, dass wir Ed Ruscha für eine Ausstellung gewinnen konnten', sagt Yilmaz Dziewior. Der Direktor des Kunsthauses Bregenz hat harte Überzeugungsarbeit bei dem inzwischen 74-jährigen 'Superstar der zeitgenössischen Kunst' leisten müssen. Nun sind rund 120 Werke in Bregenz zu sehen, und wie in einem Brennglas zu besichtigen ist die künstlerische Entwicklung des Kaliforniers, beginnend mit ersten Buch-Projekten Anfang der 1960er Jahre bis hin zu brandneuen, großformatigen Acrylgemälden, die er extra für die Bregenzer Schau (mit dem sinnigen Titel 'Reading Ed Ruscha') malte und bei denen die Farbe noch nicht ganz trocken ist.

Das spiegelt – wieder einmal – das kuratorische Konzept von Dziewior wider. Ihm genügt es, Kunst zu zeigen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Eckhard Schneider verlangt er von den Ausstellenden nicht, das fantastische Haus der Kunst von Architekt Peter Zumthor einzubeziehen. Er nutzt nur die üppige Ausstellungsfläche.

Und Dziewior bereitet Kunst auch gerne kunsttheoretisch-verkopft auf. Dementsprechend ist der Empfang im ersten Obergeschoss: Hier sieht es aus wie im Naturkundemuseum. Vitrinen durchziehen den Raum, an den Wänden hängen Texte, auf Arbeitstischen liegen Bücher.

Glücklicherweise erweist sich die Sache als nicht ganz so trocken, wie es die ersten Blicke befürchten lassen. In den Schaukästen sind jene wegweisenden Buchprojekte zu sehen, die Ed Ruschas Ruf begründeten. Etwa seine sechs Meter lange Fotostrecke, die alle Häuser des Sunset Strip in Los Angeles vereinigt.

Oder seine Künstlerbücher, in denen Besucher entweder traditionell oder mittels iPad blättern können. Und die Texte an der Wand sind Repros eines von Ruscha mit Fotografien bestückten Romans von Jack Kerouac ('On The Road').

Von da aus taucht man in die Welt des Ed Ruscha ein, tastet sich, Bild für Bild, Stockwerk für Stockwerk weiter – und erlebt vor allem einen Künstler, der ein Büchernarr ist. Das Buch – als Motiv, Bildträger oder reales Objekt – nimmt in seinem Werk einen zentralen Stellenwert ein.

Bisweilen bearbeitet er spielerisch-experimentell Buchdeckel und Buchschnitte. Im Grunde aber entdeckt man einen Menschen, der leidenschaftlich dem Gehalt von Büchern nachspürt und ihn auslotet – ernst, witzig, bissig, ironisch. Darin spiegeln sich zugleich das Leben und seine Vergänglichkeit.

Am augenscheinlichsten ist das in einer vitalen neuen Gemäldeserie mit aufgeschlagenen Büchern. Einst war das Papier schön weiß – nun ist es bräunlich, mit Flecken übersät, rissig und von Würmern durchlöchert.

Bis 14. Oktober, täglich 10 bis 20 Uhr; ab 3. September Di–So von 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr

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