Das Kloster in der ehemaligen Radarstation stellt sich vor

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Im Kaufbeurer Eichwald, auf einer Anhöhe zwischen Kaufbeuren und Friesenried, befindet sich die Abtei St. Severin. 'Ein Kloster mit dem Charm einer Schießanlage', scherzt Pater Klaus.

In der Tat handelt es sich nicht um ein traditionelles, altehrwürdiges Abtei-Gebäude, sondern um eine stillgelegte Radarstation der Bundeswehr. Doch nach fast drei Jahren haben sich Pater Klaus, Bruder Georg und Bruder Johannes gut eingelebt. Seit Kurzem lebt auch Bruder Maximilien aus Frankreich in der Abtei St. Severin. Wer das weitläufige Gelände mit rund 45 000 Quadratmetern betritt, spürt sofort die Ruhe, die zur Besinnung einlädt, Gott erfahrbar macht und neue Kräfte sammeln lässt.

Orden von Port Royal

Die Mönche der Abtei St. Severin leben nach der allgemeinen Regel des Ordens von Port Royal, einer ökumenischen Zisterzienserkongregation, und der Regel des Heiligen Benedikt: ora, lege et labora (bete, lese und arbeite oder vielmehr Arbeiten aus dem Gebet). Dabei leben sie in einer Gütergemeinschaft – das heißt, sie sind für ihren Lebensunterhalt selbst verantwortlich. Im Zuge dessen betreiben sie das Bildungswerk St. Severin sowie den Klosterladen.

Im kommenden Jahr soll der Schwerpunkt des Bildungswerkes auf geistige, theologische und naturheilkundliche Vorträge gelegt werden. Da die Heilssorge für Kranke, Schwache und Ausgestoßene ein zentraler Punkt ist, werden in der Abtei in Kürze auch naturheilkundliche Behandlungen angeboten.

Aus eigener Produktion

Im Klosterladen werden unter anderem klostereigene Produkte wie Pflanzenölpflegeseifen, Badesalze, Kräuterbalsame, Essige, Gewürzmischungen oder Kräuterlikör verkauft. Zudem gibt es Literatur aus dem Port Royal Verlag und anderen.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle ein Kochbuch mit kleinen Anekdoten aus dem Klosteralltag, das vor Kurzem erschienen ist. Geschrieben hat es Erik Obermüller mit Hilfe seines Kollegen Florian Ebert, beide leisteten in der Abtei St. Severin ihren Bundesfreiwilligendienst. Der 19-jährige Erik Obermüller hat diesen jetzt verlängert und schreibt bereits am zweiten Teil des Buches.

Ein Anliegen der Mönche ist es, möglichst autonom zu leben und ökologisch verantwortlich zu handeln. So besitzt die Abtei eine Bio-Kläranlage sowie eine Hackschnitzelheizung. Da zwei Drittel des Geländes als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, findet man dort wertvolle Erdorchideen und rund 450 Heilpflanzen. Natürlich wird auch eigenes Gemüse angepflanzt.

Auch externe Mitglieder

Neben den vier Mönchen, die in der Abtei St.Severin leben, zählen noch weitere externe Mitglieder zum Orden. Die Brüder und Schwestern treffen sich mindestens einmal im Monat in Kaufbeuren. Zudem gehören Klöster in sechs anderen Ländern, Kamerun, Gabun, Haiti, USA, Ungarn und Polen, zum Orden von Port Royal. Auch mit ihnen gibt es regelmäßige Treffen.

Die Abtei St. Severin als Mutterkloster ist auch Träger zahlreicher Hilfsprojekte. Am bekanntesten ist wohl die Peru-Hilfe Santa Rosa. Zudem laufen weitere Projekte, beispielsweise für Straßen- und Zigeunerkinder in Rumänien oder für ein Waisenhaus in Haiti. Hier arbeiten die Mönche mit der Kaufbeurer Hilfsorganisation Humedica zusammen.

Weihnachten im Kloster

Die Vorweihnachtszeit in der Abtei St. Severin beginnt mit dem Adventsmarkt. In und um die Abtei werden die klostereigenen Erzeugnisse sowie Kunsthandwerk angeboten.

Die Adventszeit ist für die Mönche dann wie in der römisch-katholischen Kirche eine Zeit der Besinnung, eine Zeit der Vorbereitung auf die Geburt des Herrn. Den Heiligen Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag verbringen Pater Klaus, Bruder Georg, Bruder Johannes und Bruder Maximilien dann zusammen in der Abtei St. Severin, wo natürlich auch für die Allgemeinheit eine Christmette abgehalten wird.

Gibt es Geschenke?

Geschenke machen sich die Brüder gegenseitig nicht. 'Da bliebe in der Vorweihnachtszeit aufgrund der kirchlichen Vorbereitungen für die Christmette und den ersten Weihnachtsfeiertag auch gar keine Zeit', erklärt Bruder Johannes. Die Mönche bekommen aber von außerhalb Geschenke, wie beispielsweise Fisch. Diese sind dann für den ganzen Klosterkonvent bestimmt.

Bekommt ein Bruder etwas geschenkt, muss er erst seinen Oberen fragen. Denn als Mönche sollten die Mitglieder des Ordens von Port Royal möglichst wenig Privates haben. Geschenke wie Süßigkeiten oder Ähnliches werden dann ohnehin mit der Gemeinschaft geteilt.

Ab dem 26. Dezember besuchen die Brüder ihre Familien. 'Je nach Größe der Familie und Entfernung, bleiben wir dann bis zu einer Woche bei unseren Lieben', erklärt Pater Klaus.

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