Ottobeuren
«Das ist für mich ein großes Privileg»

Das zweite große Konzertwochenende in Ottobeuren wartete mit einem musikalischen Glanzpunkt in der Basilika auf. Die Wiener Symphoniker unter Leitung von Fabio Luisi gaben Anton Bruckners Symphonie Nr. 4 «Die Romantische» zum Besten. Unsere Mitarbeiterin Anne-Marie Lange hatte während der Proben in der Basilika Gelegenheit, mit Luisi, Chefdirigent der Wiener Symphoniker und Generalmusikdirektor der Staatsoper Dresden, zu sprechen.

Herr Luisi, Sie sind wieder in Ottobeuren. Dirigieren Sie «Bruckner» hier zum ersten Mal?

Luisi: Heute bin ich das zweite Mal in der Basilika in Ottobeuren. Bruckner dirigiere ich das erste Mal hier. Vor fünf Jahren war es Stabat Mater von Dvorak.

Was gefällt Ihnen an Ottobeuren?

Luisi: Die Stimmung hier in Ottobeuren ist ganz großartig. Ich finde die Tradition, nach dem Konzert nicht zu applaudieren, sehr wichtig, damit man die Musik anders erlebt und in sich wirken lässt, wenn das Stück zu Ende ist. Das ist für mich etwas Fundamentales. Hier in der Basilika zu spielen und zu dirigieren ist ein großes Privileg für mich.

Wie stehen Sie zu Bruckners Musik und zu Bruckners Werken?

Luisi: Das ist schwer zu sagen. Ich hatte keinen leichten Zugang zu dieser Musik. Ich glaube, niemand hat einen leichten Zugang zu Bruckner. Man muss sich hineinleben, man muss an sich arbeiten. Es ist wie eine Brücke zwischen etwas Irdischem und etwas, was darüber steht. Das findet man bei Bruckner wie bei kaum einem anderen Komponist.

Für manchen Erwachsenen ist Bruckner zu schwer, zu disharmonisch, zu unstrukturiert. Kann man Kinder auch schon an Bruckner heranführen?

Luisi: Kinder haben generell eine ganz andere Herangehensweise, so auch an die Musik.

Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr Kinder - auch bei Opern-Aufführungen - auf Sachen reagieren, die für uns irgendwie selbstverständlich sind oder Dinge verstehen, die uns schleierhaft bleiben. Auch in der symphonischen Musik würde ein interessiertes Kind an Bruckner ganz anders herangehen als ein Erwachsener. Ein Erwachsener würde erst einmal versuchen, intellektuell diese Musik zu erfassen. Ein Kind kann das noch nicht. Daher muss es das Elementare in dieser Musik suchen und finden. Es gibt sehr viel Elementarkraft, sehr viel Grundsätzliches in dieser Musik. Ich kann mir vorstellen, dass empfängliche Kinder das sehr wohl sofort auffassen können.

Bruckners 4. Symphonie wird auch die «Romantische» genannt. Sind hier auch von Bruckner gesetzte religiöse Teile zu finden?

Luisi: Es ist nicht eine konfessionelle Religiosität, die bei Bruckner zum Tragen kommt, es ist vielmehr eine in uns allen innewohnende Religiosität, ob wir an einen Gott glauben oder nicht. Es ist etwas, was uns mit einer höheren Ebene verbindet - und das ist bei Bruckner immer wieder der Fall.

Für wen hat Bruckner seine Musik geschrieben? Für sich, für das Volk oder für den Himmel, eine höhere Macht?

Luisi: Mir fällt hierbei seine letzte Sinfonie ein, die er nicht fertig komponieren konnte. Diese hat er dem «lieben Gott» gewidmet. Ich glaube, Symphonien zu komponieren war in seinem ganzen Leben eher eine Mission als eine Befriedigung des eigenen Ehrgeizes. Er war als Komponist natürlich schon informiert und hat sich über Erfolge gefreut. Ich glaube aber nicht, dass dies in seinem Leben Priorität hatte.

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