Memmingen
Das Böse in uns

Herbstlaub, über die ganze Bühne verteilt. Es raschelt, wenn darüber gegangen wird. Aber, es wird nicht viel gegangen, sondern gesessen und gestanden. Denn das Ungeheuerliche ist schon passiert. Drei Morde. Endzeitstimmung? Nein. «Es ist eben passiert, und das Leben geht weiter», konstatiert der Mann im ersten der drei Einakter von «Bash - Stücke der letzten Tage» in der zweiten Premiere des Landestheaters Schwaben (im Theater am Schweizerberg) lapidar.

Die Geschichten, die der amerikanische Erfolgsautor Neil LaBute seinem Publikum präsentiert, haben das Zeug zur großen Tragödie, doch sie kommen so nüchtern und abgeklärt daher, dass einem angst und bange wird angesichts der Banalität des Bösen. Es geschehen drei Morde und die Frage nach Schuld und Verantwortung wird nicht einmal tangiert.

Da ist, wie gesagt, der Mann, gespielt von Klaus Teigel, der seine fünfmonatige Tochter getötet hat und das dann «kalkuliertes Risiko» nennt, welches seiner Familie nützen könnte, da er angesichts des Verlusts des Kindes wohl nicht entlassen werden würde. Teigel spielt einen geleckten Business-Man, einen nicht greifbaren, selbstgerechten Typ. Er sitzt bei diesem (Selbst)Rechtfertigungsversuch auf einem Barhocker seitlich zum Pub-likum und spricht meistens ins Off.

Wenn er lacht, offenbart sich das ganze Grauen, und man befürchtet, dass dieser Mensch noch zu ganz anderen Dingen fähig ist.

Dann ist da die Kindsmörderin beim Geständnis. Katharina Puch-ner, neu im Ensemble, sitzt an einem Tisch. Vor ihr ein Tonband und eine Wasserflasche. Sie hat aus Rache an ihrem Lehrer, der sie geschwängert und dann allein gelassen hat, ihren mittlerweile 14-jährigen Sohn umgebracht. Puchner spielt sehr genau die Brüche dieser Frau, die einerseits zu schnell erwachsen werden musste, anderseits eigensinnig wie ein Kind geblieben ist. Ihre Augen starr ins Leere gerichtet, taucht sie wieder auf, um selig lächelnd sich in schönen Erinnerungen zu ergehen.

Im Zentrum des dritten Stücks steht ein Paar in bester Partylaune. Doch die Stimmung kippt und John (Teigel) prügelt mit Kumpanen im Central Park einen Homosexuellen zu Tode, während seine Beinahe-Verlobte Sue (Puchner) von einer «Herbsthochzeit» träumt. Peter Kestens Inszenierung (Ausstattung: Anne Sevenich) dieses Erzähltheaters ist sehr konsequent in der Sparsamkeit der Mittel. Er führt im Sinne von LaBute keine «Bestien» vor, wie der Pressetext des Landestheaters irreführend meint.

Nein, es geht um eine entmorali-sierte Gesellschaft und um das Böse in uns. Und das ist das Verstörende. Zuerst verhaltener, dann längerer, aber nicht euphorischer Applaus.

Das Stück wird am 9., 23., 24., 25., 30. und 31. Oktober, am 6., 8., 13., 14., 27. und 29. November sowie am 5., 8., 11. und 12. Dezember im Theater am Schweizerberg in Memmingen aufgeführt. Beginn jeweils 20 Uhr. Karten unter Telefon 08331/9459-16.

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