Kempten
Darf Erdbebenopfer ins Allgäu?

Für Venita Zillner ist es ein Tag im Wechselbad der Gefühle: Wird es gelingen, ihre beim Erdbeben verletzte Tochter Nancy aus Haiti heraus und zu ihr nach Kempten zu holen? Bis in den Abend hinein gehen am Montag Telefonate und E-Mails hin und her zwischen Auswärtigem Amt, bayerischem Innenministerium, Regierung von Schwaben und dem Kemptener Ausländeramt. Dennoch bleibt bis Redaktionsschluss unklar, ob die junge Frau nach Deutschland einreisen darf. Denn zum einen hat die Verletzte seit dem Erdbeben keinen Pass mehr - und zum anderen werden sich die Behörden offenbar wegen der Aufenthaltsdauer nicht einig. Das Auswärtige Amt will am heutigen Dienstag erneut mit dem Kemptener Ausländeramt telefonieren. «Wir bemühen uns um die Lösung des Falls», so ein Sprecher.

Seit zwei Wochen ist für die 51-Jährige - sie ist eine von 58 Haitianern in Bayern - nichts mehr wie zuvor. Tagelang ist sie nach der Naturkatastrophe in ihrer Heimat zwischen Hoffen und Bangen, wissen sie und ihre ebenfalls in Kempten lebende Schwester Helena nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen. Am vergangenen Freitag gelingt es den beiden Haitianerinnen endlich, per Telefon Kontakt zu ihrer Familie in Haiti aufzunehmen. Was sie vorher nur gerüchteweise von einer Bekannten in den USA gehört haben, wird traurige Gewissheit: Ihre Mutter ist beim Einsturz des Hauses an einem der Hügel von Port-au-Prince getötet worden. Venita Zillners Tochter Nancy dagegen hat das Unglück überlebt. Gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern hält sich die Verletzte in einem Zeltlager einige Kilometer von Port-au-Prince auf.

Für Venita Zillner steht nach dem Telefongespräch fest: Sie will ihre verletzte Tochter wenigstens vorübergehend zu sich holen. Gemeinsam mit einem Bekannten setzt sie alle Hebel in Bewegung, nimmt Kontakt mit dem Suchdienst des Roten Kreuzes und dem Auswärtigen Amt auf. Dieses will über den sogenannten «Familiennachzug» einen unbefristeten Aufenthalt der jungen Frauen erwirken, berichtet die Haitianerin. Dazu aber wäre die Zustimmung des Ausländeramts nötig sowie eine Befreiung von der Passpflicht durch das bayerische Innenministerium. Dieses, so sagt Ausländeramtsleiter Konrad Pfister, gebe kein grünes Licht für eine unbegrenzte Aufenthaltsdauer. Damit seien ihm die Hände gebunden.

Ob indessen das Auswärtige Amt von sich aus ein drei Monate gültiges Besuchsvisum sowie die zugehörige Passpflicht-Befreiung erteilen könnte, bleibt am Montag unklar. Venita Zillner will auf jeden Fall weiter kämpfen und ihre Tochter aus dem Chaos retten.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019