Kempten
Damit die Gülle weniger zum Himmel stinkt

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Für die Allgäuer Bauern ist es das «braune Gold», doch für alle anderen ist es einfach nur Gestank: Gülle. Rund um diesen Naturdünger drehte sich gestern der 23. Grünlandtag in Kempten. Doch über weniger Gülle-Gestank, also Ammoniak, in der Luft freut sich aber nicht nur der frischluftverliebte Urlauber im Allgäu, sondern auch der Landwirt selbst. «Weil alles, was ich riechen kann, hat sich verflüchtigt und fehlt an Nährstoffen im Boden», sagte Dr. Michael Honisch vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Kempten. In seinem Vortrag vor rund 300 Landwirten betonte er, dass die Gülle der wichtigste Dünger im Allgäu sei. «Aber während der Lagerung und Ausbringung der Gülle geht viel Ammoniak und somit Nährstoff verloren», sagte Honisch.

Dabei gebe es laut Honisch mehrere Wege, um möglichst viel der Nährstoffe im Boden zu halten: «Wasser bindet zum Beispiel Ammoniak in erheblichen Mengen.» Auch werde die Gülle so flüssiger und fließe schneller ab, was auch die Emissionen mindere.

Bei leichtem Regen güllen

Völlig ohne Gestank - und damit Ammoniak-Verlust ist das Güllen jedoch nicht möglich. «Ein Endverlust von 20 Prozent ist unvermeidlich», sagte Honisch. Doch durch bestimmte Techniken und Methoden lasse sich laut Honisch der Ammoniak-Verlust reduzieren. «Gülle ich bei leichtem Regen, habe ich 40 Prozent weniger Emissionen. Wähle ich einen windstillen und kühlen Tag sind es 20 Prozent», erklärte Honisch.

Vom Einsatz von Gesteinsmehl hält Honisch dagegen nicht viel: «Wir haben das untersucht, aber keine wesentlich Verbesserung bei den Ammoniak-Abgaben festgestellt.»

Auch neue Techniken können die Landwirte einsetzen um mehr Nährstoffe im Boden zu halten. Dr. Stefan Neser vom Landesamt für Landwirtschaft, Institut für Tier und Technik, stellte ein paar der neuen Maschinen vor. Bei der Grünlanddüngung lassen sich beispielsweise der sogenannte Grünland-Injektor oder der Schleppschuh einsetzen. «Das Entscheidende ist die Ausbringung des Düngers in Bodennähe», erklärte Neser.

Im Allgäu sind diese Geräte jedoch noch kaum im Einsatz. «Es gibt ein paar im Unterallgäu, die auch beim Ackerbau eingesetzt werden», sagte Honisch. Er ist aber skeptisch, ob sie sich in der Region durchsetzen werden. Neser dagegen glaubt schon, dass die Allgäuer Landwirte die Maschinen ergänzend zu den herkömmlichen Düngefahrzeugen einsetzen können.

Vorbild in Traunstein

Dass die neue Technik für Bauern funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus Traunstein (Oberbayern). Dort gibt es seit mehreren Jahren eine Güllegemeinschaft, die sich verschiedene der neuen Maschinen teile, stellte der Geschäftsführer des Maschinenrings, Raphael Röckenwagner vor. «Super Technik, gutes Futter, geringer Nährstoffverlust und die Bauern haben Spaß dabei», so sein Fazit.

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