Neugablonz / Ostallgäu
Damals war Mut von Nöten, um Arbeit zu bieten

Als die Werkstatt für psychisch behinderte Menschen in Neugablonz (WfbM) 1984 eröffnet wurde, stand zwar ihre Notwendigkeit fest, aber die Umstände waren noch nicht optimal: «Es waren schwierige Anfangsbedingungen. Erst langsam entwickelte sich die Einrichtung, um auf die speziellen Fähigkeiten der Beschäftigten einzugehen», erzählt Dr. Ulrich Mühlen, der 24 Jahre Psychologe in der WfbM war. Nun feierte die Werkstatt ihr 25-jähriges Bestehen.

Arbeit bedeutet, Sicherheit zu vermitteln

Immerhin sei sie die erste Einrichtung dieser Art in der Region gewesen, in der anerkannt wurde, dass psychisch Kranke besonderer Betreuung bedürfen, so Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse bei der Feier. Mittlerweile sei die Anerkennung dieser Krankheiten - selbst von posttraumatischen Belastungsstörungen bei Soldaten oder Polizisten - etabliert. Auch Finanzstaatssekretär Franz Pschierer bescheinigte den Initiatoren der WfbM Weitsicht: «Jene haben Mut bewiesen, die damals die Einrichtung gründeten.

Denn den Menschen mit Entwicklungsstörungen und psychiatrischen Krankheiten wie der Schizophrenie oder der manischen Depression könne in den Werkstätten gut geholfen werden. «Arbeit bedeutet, die Gesundheit zu schützen, Sicherheit zu vermitteln, Beziehungen zu ermöglichen, Anerkennung zu bekommen oder sogar Freude zu erleben», meinte Volker Holata, Geschäftsführer der Wertachtal-Werkstätten, zu denen die WfbM gehört.

Erst in den 1970er Jahren wurde erkannt, dass eine stationäre Betreuung von psychisch Kranken nicht in allen Fällen sinnvoll ist. Doch der Weg aus den Anstalten war lang: «Damals lag viel im Argen», so der Ministerialrat im Bayerischen Sozialministerium, Dr. Hans Dick. Doch mittlerweile, und dafür sei die WfbM ein Beispiel, ist viel passiert: «Die Werkstätten sind inzwischen ein bedeutender regionaler Wirtschaftsfaktor.

Und sie sind verlässlich für die Beschäftigten, die Geschäftspartner und die Politik», führte Dick weiter aus. Das bestätigte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Denn die Lebenshilfen als Träger der Werkstätten hätten derzeit rund 5000 Arbeitsplätze für Behinderte in Schwaben geschaffen. «Die Lebenshilfen haben sich zu einer Unternehmensgruppe gewandelt. Aber dieses Angebot ist notwendig», erklärte Reichert.

Die 56 Beschäftigten der WfbM sehen das überwiegend auch so: In der Werkstatt gebe es Kontakte, Bestätigung und Arbeit, betonen sie. Wenngleich nicht jede Arbeit Spaß mache.

Die Arbeitnehmer durchlaufen nach einer Probephase ein Praktikum und dann verschiedene Arbeitsschritte, die in den Bereichen, Metall, Elektro, Versand oder Wäscherei angesiedelt sein können. Mittlerweile gibt es Außenpraktika oder -gruppen, in denen die Werkstattmitarbeiter der Integration in die Gesellschaft schon wieder einen Schritt näher gekommen sind, erläutert WfbM-Leiter Uwe Sedlacek.

Ziel ist es, die Beschäftigten in den Arbeitsmarkt wieder oder erstmals zu integrieren. Darüber unterhielten sich später Dick, Holata, Sedlacek, Bertram Sellner, Geschäftsführer vom Irseer Kreisversand, und andere in einem moderierten Gespräch.

Daneben hatten die Beschäftigten musikalische Vorführungen vorbereitet. Den Gästen aus gemeinnützigen Einrichtungen, Behörden oder der Politik wurden die Arbeitsräume vorgestellt. «Vieles ist weiter zu entwickeln. Denn jeder Arbeitsplatz muss individuell sein, um dem Menschen gerecht zu werden», resümiert Mühlen.

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