Hip-Hop
Da war mehr drin

«Der Abend war schon okay, aber man kann mehr aus ner Party machen»: Diese Aussage von Denyo beschreibt treffend sein Konzert mit den beiden Rapperkollegen Afrob und Samy Deluxe im Kaminwerk. Um die 650 Anhänger des Hip-Hops im Alter von etwa 16 bis 30 Jahren hatten sich an diesem Abend versammelt, um drei der bedeutendsten Künstler des deutschen Sprechgesangs aus nächster Nähe zu erleben.

Erst nach eineinhalbstündiger Verzögerung war es endlich so weit: Der durch die Hamburger Rap-Szene bekannt gewordene Samy Deluxe, auch Samsemillia oder Wickeda MC genannt, heizte dem Publikum gleich mal mit einem furiosen «Freestyle» ein, also einem spontan improvisierten Sprechgesang. Dann traten auch Denyo und Afrob ins Rampenlicht und performten zu den Beats von DJ Vito mit «Füchse» und «Reimemonster» gleich zu Beginn zwei ihrer bekanntesten Lieder.

Alle drei schöpften in der Show aus ihrem gewaltigen Repertoire, das allein schon bei Samy Deluxe derzeit 300 Songs umfasst. Auffällig war allerdings, dass nach und nach die anfangs gute Stimmung allmählich verflachte. Es hatte den Anschein, als wären nur wenige der Zuschauer mit den zum Teil politisch, zum Teil sinnenfreudig orientierten Texten vertraut.

«Die Halle war zu wenig gefüllt», meinte dazu Samy Deluxe nach dem Konzert. «Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Stimmung erst ihren Höhepunkt erreichen kann, wenn die Masse dicht an dicht steht.»

Am Ende vier Zugaben

Doch als schließlich die ersten Töne des Songs «Sneak Preview» erklingen, holen die Besucher noch einmal alles aus sich heraus. Und so werden gegen Ende der Show immerhin noch vier Zugaben gespielt, darunter der wohl bekannteste und gesellschaftskritische Track von Samy Deluxe mit dem Namen «Weck mich auf», der die Perspektivlosigkeit der Jugend und weitere Missstände in Deutschland formuliert.

Während Samy Deluxe in seinem etwas älteren Song «Grüne Brille» Drogenkonsum noch verharmloste, will der durch seinen Mentor Jan Delay bekannt gewordene Hamburger heutzutage eher zu politischem Bewusstsein und Meinungsbildung anregen.

Auch sein Rapkollege Afrob zeigt politisches Engagement, indem er sich insbesondere für den Kampf gegen Rassismus einsetzt. Solche Texte zeigen deutlich, dass Hip-Hop mittlerweile definitiv als Sprachrohr einer politikinteressierten und gesellschaftskritischen Jugend taugt - wobei der Spaß nach wie vor die entscheidende Rolle spielt.

Den haben die Rapper, wie sie in einem Interview am Rande des Geschehens verrieten, auch an ihrem Beruf: Sie wollen noch möglichst lange auf der Bühne stehen. Doch während Samy Deluxe es bewusst vermeidet, seinen weiteren Werdegang vorauszuplanen, hört sich dies beim dreifachen Familienvater Denyo anders an: «Natürlich mache ich mir Gedanken über die Zukunft. Ich moderiere eine Radiosendung und organisiere verschiedene Veranstaltungen, doch solang ich mich fresh fühle, will ich immer weiterrappen!»

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