Memmingen
«Da schwitzt man - das ist der Wahnsinn»

Die Hitze fordert ihren Tribut, als sich der kräftige junge Mann an einer klemmenden Metallstange abmüht. Die Sonne glüht erbarmungslos am Himmel. Ganze Bäche an Schweiß laufen über den braun gebrannten Oberkörper von Thomas Meßlang. Als er die Stange befreit hat, ist zum Glück erst einmal Mittagspause. Endlich Schatten. «Da schwitzt man ja, das ist der Wahnsinn», sagt der 19-jährige Geselle und verschwindet mit seinen Kollegen in einem der roten Container auf der Großbaustelle am Memminger Schrannenplatz. «Ich hatte dieses Jahr schon vier Sonnenbrände, obwohl ich eingecremt war. Inzwischen brauch ich aber keine Sonnenmilch mehr, meine Haut ist abgehärtet», erzählt Meßlang.

Arbeiten bei Hochsommerhitze ist unabhängig von der Branche meistens mehr notwendiges Übel als echtes Vergnügen. Ein paar Straßen weiter, am Memminger Bahnhof, sitzt beispielsweise Rudolf Schmidt in seinem Taxi und blickt auf die Anzeige des eingebauten Thermometers: 28,5 Grad Außentemperatur. Kein Problem angesichts der klimatisierten Karosse - könnte man meinen. «Im Stehen bringt mir das leider nichts. Die Klimaanlage kann ich nur anmachen, wenn ich fahre», sagt Schmidt.

«Dürfen nicht viel trinken»

Doch es dauert nicht lange, bis ein Anruf reinkommt und der 59-Jährige vom Warten in der prallen Mittagssonne erlöst wird. «Ich muss los. Jetzt kommt wieder der schöne Teil der Arbeit», sagt Schmidt, startet den Motor und braust davon. Carmen Holzmann, die mit ihrem Taxi in derselben Reihe steht, muss sich noch ein wenig gedulden.

«Das Problem ist, dass wir Taxifahrer bei so einer Hitze auch nicht so viel trinken dürfen. Man kann ja nicht ständig auf die Toilette rennen, wenn man Kundschaft hat.»

Spaß am Baggersee

Alle, die gerade nicht arbeiten müssen, verbringen die wohl heißeste Woche des Jahres vorzugsweise am Wasser. Badeseen, wie der in Woringen, sind dieser Tage bereits ab den Mittagsstunden mehr als gut besucht. «Sehr viele kommen von Memmingen hier raus», erzählt Johann Rehm, der sich mit anderen Mitgliedern der Woringer Bürgergemeinschaft ehrenamtlich um die Pflege des Sees und das umliegende Gelände kümmert. Am liebsten wäre es den Woringern allerdings, wenn die Badegäste mit dem Rad anreisten. «Wir haben nicht sehr viele Abstellflächen für Autos. Und die, die wir haben, hat uns ein Landwirt netterweise zur Verfügung gestellt.»

Für Wildparker, die zu geizig für die zwei Euro Abstellgebühr sind und ihren Wagen einfach irgendwo parken, hat er kein Verständnis. «Die wissen nicht, was sie uns für Probleme machen.» Außerdem, betont er, werde mit dem Geld lediglich der Erhalt der Badeanlage finanziert. «Das müsste bei der Hitze doch im Interesse aller sein.»

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