Religion
Christen und Muslime gehen nach dem 11. September 2001 stärker aufeinander zu

Die Terror-Anschläge in den USA am 11. September vor zehn Jahren haben die Welt verändert. Aber nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen. So haben sich in Memmingen - während im Nahen Osten Soldaten und Geheimdienste Jagd auf Terroristen machten - Christen und Muslime immer mehr angenähert. «Die Änschläge waren der Anstoß, stärker aufeinander zuzugehen», sagt der damalige katholische Dekan Siegbert G. Schindele. Gleiches berichtet Pfarrer Stephan Ranke von der evangelischen Gemeinde «Unser Frauen». Beide Seiten hätten damals deutlich gemacht, dass sie sich von Extremisten nicht gegeneinander ausspielen lassen wollen.

Vorsichtige Annäherung

Schindele erinnert sich noch sehr gut an die Tage nach dem Zusammensturz des New Yorker World Trade Centers: << Es war eine allgemeine Stimmung gegen Muslime zu spüren. >> Dagegen wollten er und sein evangelischer Amtskollege, Dekan Kurt Kräß, etwas unternehmen. So sind beide auf die türkisch-islamische Gemeinde in Memmingen zugegangen und wurden sogleich in deren Moschee eingeladen.

<< Es war zunächst eine vorsichtige Annäherung >>, erzählt Schindele. Zumal es damals auf beiden Seiten auch kritische Stimmen gegeben habe. << Das muss doch nicht sein, dass wir uns mit denen abgeben >>, habe er beispielsweise aus den Reihen seiner Pfarrei zu hören bekommen.

Nichtsdestotrotz kam es in den darauf folgenden Monaten zu weiteren Treffen und gegenseitigen Einladungen, in deren Verlauf sich Christen und Muslime immer besser kennengelernt hätten. Seit dieser Zeit besuchen beispielsweise Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde jedes Jahr das Pfarrfest von Sankt Josef, und Vertreter der christlichen Gemeinden ein traditionelles Ramadan-Essen in der Moschee.

Zum Abschied von Dekan Schindele, der erst vor wenigen Tagen in die Pfarrei St.Nikolaus nach Murnau wechselte, sprach auch der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde, Sebahattin Kasimfirtina, in der Josefskirche. Dabei nannte er den katholischen Dekan einen << guten Freund und Partner >>.

Das sagt auch Mehmet Yildirim, stellvertretender Vorsitzender des Memminger Ausländerbeirats. Nach seinen Worten sind die Beziehungen zwischen Migranten und Deutschen hier seit vielen Jahren sehr freundschaftlich. Selbst nach den Terror-Anschlägen habe es seines Wissens nach keine Anfeindungen gegenüber Muslimen gegeben. << Ich habe kein schlechtes Wort gehört >>, sagt der 74-jährige Türke, der seit 1967 in Memmingen lebt.

Verbindendes

Neben gegenseitigen Einladungen zu Festen hat es laut Pfarrer Ranke in den vergangenen Jahren auch Podiumsdiskussionen zum Verhältnis Islam/Christentum gegeben und mehrere Jugendbegegnungen - zum Beispiel im Rahmen des Konfirmandenunterrichts. Dabei sei deutlich geworden, dass es zwischen beiden Religionen Anknüpfungspunkte gebe. So würden Muslime etwa dem Materialismus beziehungsweise der These << Geld bedeutet Glück >> ebenfalls kritisch gegenüberstehen.

Aber auch allein schon der Umstand, dass mit Christen und Muslimen Menschen aufeinandertreffen, die überhaupt an einen Gott glauben, habe etwas Verbindendes.

Gleichzeitig will Ranke aber nicht verschweigen, dass es auf beiden Seite Menschen gibt, die eher von einem missionarischen Gedanken geleitet werden als von dem Wunsch, den anderen Glauben besser verstehen zu wollen. Dies sei zwar eine Minderheit, aber dennoch ein Grund, die Begegnungen zwischen den Religionsgemeinschaften weiter zu intensivieren.

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