Charlotte Michel bereist seit 40 Jahren die Welt per Fahrrad

'Geburtstag habe ich selten hier gefeiert' Kaufbeuren (cl). Sie hat nie ein Auto besessen und erst einmal in ihrem Leben in einem Hotel übernachtet. Trotzdem hat die Kaufbeurerin Charlotte Michel wohl so viele Länder bereist wie kaum ein anderer. Und obwohl sie in einigen Monaten 80 Jahre alt wird, ist ihre Reiselust noch immer nicht gestillt. Ihren runden Geburtstag wird sie Anfang nächsten Jahres in Neuseeland verbringen.

Ihre erste Reise führte die gebürtige Münchnerin im Alter von 14 Jahren nach Fürth. Dort bekam sie in einem Hinterhof zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kuh zu sehen. Ungefähr 120 Länder hat sie seitdem besucht und war - mit Ausnahme von Südamerika - auf allen Kontinenten unterwegs. Allerdings bereiste sie die Länder nicht mit Bus oder Bahn, sondern immer mit dem Fahrrad, bepackt mit Zelt und Schlafsack. In den Anfangsjahren wurde sie dabei von ihrem Sohn begleitet. 'Solange er in der Schule war, sind wir in den Sommerferien mit dem Fahrrad weggefahren', sagt Charlotte Michel. Zum Beispiel nach Istanbul oder Libyen. Seit 17 Jahren ist sie meist allein unterwegs. Sie verständigte sich auf Englisch, was sie perfekt beherrscht. Wenn nötig werden auch Hände und Füße zu Hilfe genommen.

Nachdem ihr Sohn seine Schulausbildung abgeschlossen hatte, fuhren beide sieben Monate quer durch Asien, nach seiner Zeit bei der Marine acht Monate von Bombay bis nach Nepal. Mit den Menschen dort hat sie nie schlechte Erfahrungen gemacht. Das Fahrrad, ein schwarzes Hollandrad, wurde ihr trotzdem geklaut. Es geschah an dem Tag, an dem sie wieder nach Hause kamen.

Die Reiselust hat sie eigentlich erst vor rund vierzig Jahren gepackt. Am meisten beeindruckt haben sie die Menschen in Pakistan. 'Mein Sohn und ich haben kein Geld gebraucht', sagt Michel. Sie wurden von den Reichsten und Ärmsten gleichermaßen eingeladen. Ein Mann ließ seinen Fahrer anhalten, um ihnen anzubieten, in seinem Haus zu übernachten. Bauern nahmen sie mit nach Hause, damit sie in deren Hütten übernachten konnten. Es war ihr immer wichtig, Menschen auf der ganzen Welt und deren Kultur kennen zu lernen, touristische Gebiete meidet sie nach wie vor.

Sie verreist regelmäßig einmal im Jahr von Januar bis März. 'Um den Winter zu verkürzen', sagt sie. Zusätzlich fährt sie nach wie vor einmal jährlich mit dem Rad ins österreichische Ehrwald um Freunde zu besuchen. Allerdings benutzt sie für ihre Fahrten kein modernes Mountainbike, ein einfaches Stadtfahrrad mit sieben Gängen genügt ihr. Anfang nächsten Jahres fliegt sie wieder nach Neuseeland. 1993 war sie das erste Mal dort. Allerdings wird sie diesmal nicht mit dem Fahrrad, sondern zu Fuß das Land bereisen und in Jugendherbergen oder bei Freunden übernachten. Auch den Tandem-Fallschirmsprung, den sie vor einigen Jahren gemacht hat, will sie dort wiederholen. 'Wenn ich auswandern müsste, würde ich nach Neuseeland gehen', meint die 79-Jährige.

Dass sie an ihrem 80. Geburtstag nicht zuhause ist, ist wohl kaum verwunderlich. Schließlich hat sie schon überall auf der Welt gefeiert - etwa in Moskau, Peking, Bangkok und Kenia. Große Feiern seien eh nicht ihr Ding. 'Weit weg von der Heimat zu feiern, das mag ich schon eher', meint Michel.

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