Weihnachtskonzert
Chaos auf der Bühne in Lindenberg

Papierflieger aus Notenblättern segeln über die Bühne, die Flöten genehmigen sich zusammen mit den Klarinetten ein Gläschen Sekt, die Posaunisten haben die Bühne bereits winkend verlassen und die immer noch spielenden Register glänzen durch herbe Dissonanzen.

Angesichts solcher Szenen und Entgleisungen in seinem Orchester winkt auch Dirigent Artur Tronsberg entnervt ab, legt seinen Taktstock beiseite und verlässt kopfschüttelnd das Podium.

Ein Eklat beim traditionellen Weihnachtskonzert der Lindenberger Stadtkapelle? Beileibe nicht – alles nur gekonnt inszeniert. Genauso, wie der humoristische Marsch 'Il Presidente' von Thomas Doss, zu dessen Klängen dieses geplante Bühnenchaos das Publikum im ausverkauften 'Löwen'-Saal erheitert. Schließlich warnte Moderatorin Nicole Keck ganz im Stil einer Flugbegleiterin bereits vor der Nummer: 'Bitte die Sitze aufrecht stellen und sitzen bleiben, bis die Stadtkapelle zum Stehen gekommen ist.'

Nicht nur mit 'Il Presidente', dieser komödiantischen Inszenierung des Auftritts eines fiktiven und letztlich lächerlich gemachten Staatspräsidenten vor seinem Volk, begleiteten die 68 Musiker der Stadtkapelle ihre Zuhörer durch einen rasanten, mit immer wieder wechselnden Tempi geladenen Konzertabend.

Auch beim Medley bekannter James-Bond-Filmmelodien beweist Dirigent Artur Tronsberg ein sicheres Händchen bezüglich des Publikumsgeschmacks. Shirley Basseys provokant geschmettertes 'Goldfinggaa', Rita Coolidges schmeichelndes 'All Time High' ('Octopussy') und Sheena Eastons klagendes 'For Your Eyes Only' ('In tödlicher Mission') stellen die Musiker vor nicht geringere Herausforderungen als die jeweiligen Filmhelden.

Artur Tronsberg: 'Das sind für Blasorchester untypische Tonalitäten. Da jagt man uns wirklich in ungewohnte Tonarten mit teilweise sechs Kreuzen.'

Höchststufen-Können und ein langer Bläser-Atem wird beim 15 Minuten dauernden Titel 'At Kitty O?Shea?s', einem Medley irischer Volkslieder, verlangt. Genauso faszinierend war das Paukensolo 'Concertino for Timpani & Band' des 18-jährigen Damian Zeh, der seit fünf Jahren in der Stadtkapelle musiziert. 'Das Schwierigste ist nicht unbedingt die Technik, sondern die exakte Verbindung zum Orchester herzustellen. Schließlich ist es kein reines Solostück', sagt der Paukist.

In einigen Registern hat auch heuer wieder der Nachwuchs den Sprung in die Stadtkapelle geschafft. Für Linda Aumann, Vanessa Schätzle (beide Klarinette), Sarah Kling (Flöte), Gabriel Schmid (Schlagzeug), Mathias Haslach (Posaune) und Caroline Renftle (Horn) war es der erste Auftritt beim Weihnachtskonzert. Bewährt hat sich laut Dirigent Artur Tronsberg auch die Übernahme von Notenspenden im Wert zwischen 100 und 200 Euro durch heimische Betriebe und Einzelhändler.

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