Ottobeuren
Buntes Programm mit kleinen Schönheitsfehlern

Im Kaisersaal gastierte das Kammerorchester «Ensemble Classico» aus Zürich, das vor 20 Jahre gegründet wurde. Aus diesem Anlass bot das Orchester ein wahrhaft buntes Programm, das aber auch ein bisschen Kopfschütteln zuließ. Ohne große innere Richtung wurden Stücke gespielt, die sich aneinanderreihten wie Erbsen auf einer Gabel. Die zwölf Musiker spielten im Stehen. Dabei fiel auf, dass etliche Musiker Lackschuhe trugen, andere nicht: ein Schönheitsfehler, der irritierte. Das Ensemble bestach durch exaktes Zusammenspiel bei stets markantem Tempo, gelungene Bogenführung und abgerundete Klangqualität.

Das Programm begann mit dem Concerto in A-Dur für Streichorchester von Antonio Vivaldi, dem italienischen Geigenmeister. Vor der Pause erklang das Konzert für Oboe und Streicherorchester von Domenico Cimarosa, in dem Andreas Pöttler das Soloinstrument spielte. Es ist eine fröhliche Spielmusik mit nachdenklichen Seiten, was vor allem in der Siciliana aufleuchtete. Das glänzende Spiel des Solisten erzwang eine Zugabe: ein Satz aus einem Oboenkonzert von Alessandro Marcello.

Nach der Pause, die bereits nach einer knappen halben Stunde eintrat, hörte man das Divertimento F-Dur für Streichorchester von Joseph Haydn, ein berühmtes Stück mit Glanzpunkt des Cantabile als Pizzicato, das den Musikern hervorragend gelang. Es folgte das Andante cantabile aus dem Streichquartett Nr. 1 D-Dur von Peter I.

Tschaikowski in der Fassung für Streichorchester, ein wunderschönes Stück im Wolgalied-Stil, das aber mit dieser Form ins Programm gestellt ein echtes Unding ist; entweder man spielt das Stück als das, für was es komponiert ist, nämlich als Streichquartett, oder man lässt es bleiben. So jedenfalls hat sich nichts ergeben.

Zum Schluss wurde dann jubiliert: mit dem Jubiläumskonzert für zwei Violinen, Streichorchester und Continuo von Balduin Sulzer, einem Zeitgenossen. Als Solisten fungierten Pierre Cochand und Lui Chan (Violinen), die mit cleverem Strich und viel Klanggefühl ihren Part gaben.

Auswahl überdenkenswert

Dafür gab es verdienten Beifall, der wiederum drei Zugaben hervorrief, in ihrer Auswahl absolut überdenkensswert: Johann Strauß Vater mit dem Jugendfeuergalopp, ein «Roter Sternlied» aus China, das zum Mitklatschen animieren sollte, und das «Intermezzo sinfonico» aus der Oper «Cavalleria rusticana» von Pietro Mascagni - ein gewisses Kopfschütteln wurde schon anfangs erwähnt.

Man freut sich nach einem solchen Programm auf den folgenden Sonntag mit Bruckner.

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