Bungee
Bungeejumping am Residenzplatz

Was machst du bloß hier? 60 Meter über dem Residenzplatz, mit nichts zwischen dir und der Erde. «Drei, zwei, eins, los», zählt Marc. Der kann leicht zählen, steht ja auch sicher im Metallkorb, der am Kran hängt. Es gibt keine Rettung mehr. Augen zu und nach vorne fallen lassen. Das Herz macht einen Satz, der Boden rast auf einen zu. Wer schreit denn da, wie verrückt?

Manchmal wäre es besser, einfach den Mund zu halten. Zum Beispiel, wenn in der Redaktionskonferenz über das Stadtfest gesprochen wird und der Autor dieses Artikels frech sagt: << Bungee-Springen wollt ich schon immer mal machen. >> Idiot. Natürlich waren die Kollegen begeistert, schnell wurde ein Termin ausgemacht: Samstag um 14 Uhr. Da gab es kein Zurück mehr.

<< Du bist verrückt. Ist das jetzt verspätete Midlife-Crisis oder wem musst du was beweisen? >>, fragte die Ehefrau zu Hause und die Söhne schüttelten grinsend den Kopf: Der Alte spinnt. Darf man mit 51 keine verrückten Sachen mehr machen?

Also, ab dem Frühstück nichts mehr gegessen (es soll ja nicht peinlich werden) und punkt 14 Uhr auf dem Residenzplatz eingefunden. Über 16 Jahre alt muss man sein und mindestens 50 Kilo auf die Waage bringen. Kein Problem, auf dem Handrücken steht nach dem Wiegen die Zahl 78. Das bedeutet, es reicht das dünnere der beiden Seile mit fünf bis sechs Zentimeter Durchmesser. Es besteht aus Hunderten von Gummifäden und dehnt sich beim Sprung auf ein Mehrfaches seiner ursprünglichen Länge.

Das Gummiseil wird am Boden des Metallkorbs eingehängt. Das andere Ende teilt sich in zwei Stränge, die mit zwei Manschetten verbunden sind, die jeweils fest um die beiden Füße geschlungen werden. Man steht auf einem kleinen Absatz außerhalb des Korbs und hält sich mit den Armen rückwärts an der Brüstung fest.

<< Ich mache das jetzt seit 20 Jahren, es ist noch nie was Schlimmes passiert >>, sagt Marc Hartung, Chef des Eventservices << Euroviva >>, dem Bungee-Unternehmen aus Achern südlich von Baden-Baden. Das beruhigt.

Was nicht beruhigt, ist die Fahrt nach oben. Hört das denn gar nicht mehr auf? 60 Meter sind irre hoch. Besser nicht nach unten schauen. Blick nach vorne in die Berge, tief durchatmen. Trotzdem macht sich Angst breit, schnürt einem den Hals zu und lässt die Knie weich werden. << Alle haben da oben Angst. Auch die, die unten ganz cool tun >>, sagt Marc. Dennoch will nur etwa einer von 100 lieber wieder runter gefahren werden, als zu springen. Die anderen überwinden ihre Angst, lassen sich kopfüber auf das große Luftkissen zufallen und schreien (auch wenn sie das vorher nicht wollten).

Darum geht es letztlich: Die eigene Angst überwinden. Als Belohnung schüttet der Körper jede Menge Adrenalin aus. Nach dem ersten tiefen Sturz zieht einen das Gummiseil noch vier, fünf Mal hoch, bevor der Kran den Korb absenkt. Wieder festen Boden unter den Füßen. Es ist geschafft. Unendliche Erleichterung macht sich breit.

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