Militär
Bundeswehr-Standort in Lindenberg ohne Kaserne

Von außen sieht eine der vielen Hallen der Liebherr Aerospace GmbH in Lindenberg (Westallgäu) wie ein gewöhnlicher Lagerraum aus. An der Eingangstür hängt ein großes Schild: «Bundeseigenes Lager».

«Im ersten Moment hört sich das nach Militär an», sagt Ingenieur Dieter Reiff. In gewisser Weise stimmt das auch. «Hier befinden sich aber keine Waffen», winkt Reiff ab. Es gibt auch keinen Standort für Soldaten. In dem Lager stehen Regale mit vielen Ersatzteilen: von Schrauben und Dichtungen über elektrische Schalter bis hin zu schweren Hydraulikzylindern für die Instandsetzung von Flugzeug- und Hubschrauber-Baugruppen der Bundeswehr. Aber auch für andere Nato-Staaten. Das ist der Grund, warum Lindenberg offiziell als Bundeswehr-Standort gilt.

Auf dem Gelände der Liebherr Aerospace befindet sich außerdem eine Prüfgruppe der Güteprüfstelle Immenstaad am Bodensee. Chef der Lindenberger Abteilung ist Dieter Reiff. Die Güteprüfstelle Immen-staad (bundesweit gibt es rund 25), geleitet von Günter Lunz, gehört dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung an, einer Oberbehörde der zivilen Bundeswehr-Verwaltung. Lunz erklärt: «Wir prüfen, ob die Qualität der Artikel den vertraglichen Richtlinien entspricht. Neben speziellen Forderungen sind Qualitätsvorgaben zu erfüllen, die in allen Nato-Staaten gelten.»

Fotografieren verboten

In der Lindenberger Prüfgruppe arbeitet neben Leiter Dieter Reiff noch ein Techniker. Die Dienststelle gibt es seit 1963. «Zwei Personen können natürlich nicht jeden Prüfvorgang vor Ort überwachen», sagt Reiff. Man sehe jedoch die Fertigungs- und Prüfdokumente ein, die die Liebherr-Mitarbeiter erstellen. «Unabhängig davon gehen wir direkt in die Abteilungen, um uns von der Lieferqualität zu überzeugen.» Die Prüfgruppe ist zudem für ein Dutzend weiterer Betriebe im Umkreis von Lindenberg zuständig. Reiff: «Die stellen Teile für Marine- oder Heeresgeräte her.» Unter anderem entwickelt und produziert Liebherr Aerospace Baugruppen für Luftfahrzeuge der Bundeswehr. Diese werden auch gewartet und Instand gesetzt. Bei Instandsetzungen kontrollieren die Güteprüfer auch die Rechnungen. Lunz: «Immerhin bekommt die Firma für ihre Arbeit Steuergelder.

» Überwiegend ist Liebherr Aerospace für die zivile Luftfahrt tätig. Damit das Know-How nicht an Wettbewerber gelangt, ist das Fotografieren auf dem Gelände nicht erlaubt.

Die Arbeit der Güteprüfer sei nicht immer einfach, sagt Günter Lunz. «Bei manchen Firmen muss man schon genau hinschauen.» Reiff fügt im selben Atemzug an, dass das auf Liebherr nicht zutreffe. Ob die Güteprüfstellen von der geplanten Bundeswehr-Reform betroffen sein werden, können weder Reiff noch Lunz beantworten: «Bei einem neuen Verteidigungsminister werden die Karten neu gemischt.»

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