Bauland
Bund Naturschutz kritisiert die Entwicklung innerhalb des Stadtgebietes Kaufbeuren

Die Einwohnerzahlen in Kaufbeuren gehen seit Jahren zurück. Dennoch sei die Zunahme beim Flächenverbrauch, etwa durch die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete, unter den drei kreisfreien Allgäuer Städten am höchsten, kritisiert der Bund Naturschutz (BN), der dafür den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre als Grundlage nimmt. «Der allgemeine Trend zu immer mehr Platz für immer weniger Menschen zeigt sich in der Stadt ganz deutlich», so der BN-Regionalreferent Thomas Frey. Erst vergangene Woche hatte der BN öffentlich Alarm geschlagen, da das Allgäu bayernweit den höchsten Flächenverbrauch habe (wir berichteten). Im Fokus stehen dabei die Versiegelung des Bodens und die Umwandlung von Grün- in Ackerland, etwa für den Anbau von Mais zur Verwertung in Biogasanlagen.

Für BN-Regionalreferent Frey stellt der Kaufbeurer Flächenverbrauch angesichts des Bevölkerungsrückgangs ein Kuriosum dar. «Denn Triebfeder ist dort eindeutig der Wohnbereich», sagt er. Der Trend zu Einfamilienhäusern auf der grünen Wiese halte an - ebenso der «Zwang, Bevölkerung anzusiedeln, ohne städtebauliche Standards anzulegen». Gebaut wird seiner Ansicht nach wie früher in den kleinen Gemeinden, da genau diese bei der Ansiedlung von Familien heute Konkurrenten für die Stadt darstellten. Dabei würden sogar in den Dörfern mitunter längst neue Werkzeuge der Ortsplanung angewandt - etwa Programme, die Sanierungen im Bestand fördern.

In dieselbe Kerbe schlägt BN-Ortsvorsitzender Peter Orendi. Er könne die Entwicklung neuer Wohnbaugebiete, etwa im Kaufbeurer Norden an der Buronstraße oder auf den Bezirksflächen an den Krankenhäusern, nicht nachvollziehen. «Was soll das?», fragt er und verweist auf zahlreiche Baulücken im Stadtgebiet, die gefüllt werden könnten. Ein weiteres Negativbeispiel sei der geplante Ausbau des Reifträgerweges, dem der Bund Naturschutz die von der Stadt prognostizierte Entlastungswirkung für die Sudetenstraße bekanntlich völlig abspricht. «Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten», sagt Orendi. Der BN hatte bereits angekündigt, gegen weiteren Flächenverbrauch im Allgäu möglicherweise gerichtlich zu Felde zu ziehen. Sollte der Bebauungsplan für den Reifträgerweg einmal rechtskräftig sein, behalte sich der BN auch dafür rechtliche Schritte vor, bestätigt Orendi diese Gangart.

 

Kaufbeurens Stadtplaner Manfred Pfefferle betont, dass die Grundlage der Kritik seitens der Naturschützer statistische Werte seien. «Die Ausweisung einer bestimmten Fläche heißt aber noch nicht, dass sie bebaut wurde», sagt er. Zudem bestehe auch ein Gewerbegebiet zu einem großen Teil aus Boden, der nicht versiegelt, sondern begrünt sei - etwa Abstandsflächen. Dennoch räumt Pfeffele ein, dass es Bedarf an Bauland gibt und auch der Trend zu größeren Wohnflächen mitursächlich für diese Entwicklung ist. Auf diese Nachfrage reagiere die Stadt. «Die innerstädtische Entwicklung steht für uns dabei aber immer vor der Außenentwicklung», sagt Pfefferle.

Doch nicht immer sei es möglich, nach dieser Prämisse zu handeln, so Pfefferle. Es gebe nach wie vor kleine und große Baulücken in der Stadt, die aber beispielsweise von Privateigentümern oder Unternehmen aus verschiedenen Gründen nicht zur Bebauung freigegeben würden oder die sich deshalb nicht entwickeln ließen, weil ein Investor fehlt.

Pfefferle verweist aber auch auf positive Beispiele der «Nachverdichtung» in Kaufbeuren, etwa die jüngst vorgelegten Pläne eines privaten Investors für Wohnhäuser südwestlich der historischen Geschäftsführervilla an der ehemaligen Textilfabrik Momm mitten in der Stadt: «Wenn wir alle Baulücken problemlos schließen könnten», so der Stadtplaner, «müssten wir die nächsten 20 Jahre kein neues Bauland ausweisen.»

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