Büro entschuldigt sich für falsche Berechnungen

Bidingen | af | Es musste so etwas wie der Gang nach Canossa gewesen sein. Ein Rechenfehler bei der Wertermittlung der Abwasseranlage von Bidingen hatte sich derart potenziert, dass überhöhte Gebührenbescheide erstellt wurden. 'Wir als Büro und ich als Person übernehmen dafür die volle Verantwortung', entschuldigte sich Walter Kolb vom Kaufbeurer Ingenieurbüro Kolb und Mooser bei den Bürgern in der vollen Turnhalle.

Zwei gravierende Fehler hätten unter dem Strich zu einer um rund 785 000 Euro erhöhten Summe geführt. Zum einen sei dies ein Kommafehler gewesen. Statt 4800 Euro standen in dem umfangreichen Zahlenwerk 480 000 Euro. Der andere beruhte auf einer falschen Eingabe der Sohlhöhe alter Kanäle. Sie wurde mit Null eingegeben. Für das Computerprogramm war dies Normalnull, also Meereshöhe, und es rechnete die Kanäle und entsprechend den erfolgten Aushub auf die tatsächliche Höhe von Bidingen - rund 750 Meter - um. Das ergab dann noch einmal eine Fehlberechnung von 237 000 Euro. Unter Beachtung der weiteren Berechnungsparameter ergibt sich somit laut einer groben Überschlagsrechnung ein zu erstattender Beitrag zwischen zwei und vier Prozent.

'Fehler liegt nicht bei Reinelt'

'Der Bürgermeister musste sich auf das Ergebnis von mir verlassen', nahm Kolb Gemeindechef Jörg-Dietmar Reinelt in Schutz. Auch sein Büropartner Bertram Mooser betonte: 'Die Fehler gehen zu unseren Lasten und liegen nicht bei Bürgermeister und Gemeinderat.' Er versicherte: 'Sämtliche nachgewiesenen Kosten, die aus den Fehlern entstehen, sind unsere Kosten.'

Zur Wertermittlung, erläuterte er, sei alles herangezogen worden, was bei der Abwasseranlage heute noch in Gebrauch ist. Von den gut 13 Millionen Euro, die die gesamte Anlage wert sei, seien 10,9 Millionen Euro über Rechnungen nachgewiesen und vom Wasserwirtschaftsamt entsprechend finanziell gefördert worden. Der kleinere Bereich, der die alten Kanäle betrifft, habe ein Volumen von rund 2,5 Millionen Euro und gehöre nicht ins zuschussfähige Bauprogramm. Und genau dort seien die Fehler aufgetreten.

Schnelle Lösung angestrebt

Reinelt drängte auf eine zügige Lösung, damit die Bürger bald ihr zu viel bezahltes Geld erstattet bekommen. Er schlug vor, zu einer weiteren Prüfung durch Kolb und Mooser - sie haben das Prüfungsrecht und die Prüfungspflicht - auch Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Wasser hinzuzuziehen. Sie hatten bekanntlich den Stein ins Rollen gebracht und die Abrechnungen von Beginn an angezweifelt. Das aber, so stellte sich in der Diskussion heraus, will die IG nicht. Sie fürchtet, selbst in Regress genommen zu werden, falls sie einen Fehler übersehe. Auch das Einbeziehen zum Beispiel vom kommunalen Prüfungsverband oder von Ehemaligen des Wasserwirtschaftsamtes lehnte die IG ab. Sie plädierte für ein neutrales Büro. Aber auch deren Ergebnis wolle die IG Wasser wiederum kritisch überprüfen. Ein Weg für das weitere Vorgehen wurde nicht gefunden.

Im Laufe des Abends glitt die Diskussion immer weiter in Richtung Wahlkampf und Aschermittwochskundgebung ab. Da drehte es sich um den hohen Schuldenstand der Gemeinde und den Sinn der Kommunalunternehmen. Das Ganze gipfelte darin, dass Reinelt sich der Frage gegenüber sah, ob er seine Kandidatur als Bürgermeister aufrecht erhalten will. Dass er dies wolle, wurde ebenso mit Beifall wie mit 'Pfui'-Rufen quittiert.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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