Oberreute
Bürgermeister sorgen sich um die Hauptschulen

Die Bürgermeister des Landkreises Lindau sorgen sich um die Zukunft der Hauptschulen. Neben dem allgemeinen Rückgang der Kinder- und damit der Schülerzahlen bleibt der Trend bestehen, dass immer mehr Viertklässler nach der Grundschule auf Realschule und Gymnasium wechseln. Das bayerische Kultusministerium möchte die Hauptschulen attraktiver machen, indem sie sie zu Mittelschulen aufwertet - was laut dem vorliegenden Konzept mehr berufliche Orientierung bieten soll sowie einen mittleren Abschluss auf dem Niveau der Wirtschafts- und Realschulen. Auf der Bürgermeisterversammlung in Oberreute wurden Zweifel laut, ob diese Neuerungen den Bürgern positiv vermittelt werden können.

An der Zielrichtung der Mittelschule mit beruflicher Orientierung, Ganztagsangebot und Unterstützung durch Sozialpädagogen hatten die Bürgermeister des Landkreises Lindau nichts zu kritisieren. «Die Mittelschule muss für Qualität stehen», sagte Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph aus Weiler. «Die Frage ist bloß: Wie sollen wir das den Eltern vermitteln im Wettbewerb mit Realschulen und Gymnasien?»

Schulamtsdirektor Thomas Novy informierte über die Pläne zur Mittelschule. Vor allem das geforderte Angebot der drei berufsorientierenden Zweige Wirtschaft, Technik und Soziales stellt Schulen und Gemeinden vor Herausforderungen. Da nicht jede im Landkreis bestehende Hauptschule genügend Schüler hat, um alle drei Zweige anzubieten, müssen laut Thomas Novy Schulverbünde gebildet werden. Das bedeutet, dass Teile der Jahrgänge zum jeweiligen Fachunterricht in andere Orte fahren müssten.

Mindestens 500 Schüler nötig

Laut Kultusministerium sind mindestens 300 Schülerinnen und Schüler für eine eigenständige Mittelschule erforderlich. Schulamtsdirektor Novy jedoch sagte: «Damit es funktioniert, sollten es 450 bis 500 sein.» Im Kreis Lindau bringt mittelfristig nur die Hauptschule Lindenberg diese Zahl auf. Deshalb werden bereits verschiedene Varianten der Verbünde diskutiert: Weiler-Lindenberg, Reutin-Aeschach, alle vier Hauptschulen im Landkreis gemeinsam oder auch ein Verbund von Lindenberg oder Weiler mit der Hauptschule Oberstaufen.

Röthenbachs Bürgermeister Bert Schädler wollte wissen, ob denn überhaupt genügend Lehrer für die M-Klassen bereitstünden. «Das ist unser Problem», räumte Thomas Novy ein. «In den berufsorientierenden Fächern haben wir zu kämpfen.» Als Grund für den Personalmangel führte er an: «Man hat unsere Hauptschulen jahrzehntelang schlecht geredet. Deshalb hat sich kaum mehr jemand zum Hauptschullehrer ausbilden lassen.» Dabei seien diese Pädagogen die «Crème de la Crème» der Lehrerschaft. Warum sie schlechter entlohnt werden als Realschullehrer, verstehe er nicht.

Schulrat Elmar Vögel präsentierte aktuelle und prognostizierte Schülerzahlen. Demnach hält der Schülerschwund an Hauptschulen auch in den nächsten Jahren an. Die Bürgermeister thematisierten in diesem Zusammenhang die Konkurrenz mit Schulen im benachbarten Baden-Württemberg. Diese bieten bereits ab Klasse 5 die Werkrealschule an (Abschluss Mittlere Reife). Schulamtsleiter Novy teilte die Sorgen der Bürgermeister. Seine Beobachtung: «Die württembergischen Schulen machen massiv Werbung bei uns. Das sollte besser zwischen den Ländern geregelt werden.»

19,9 Schüler je Klasse

Bürgermeister Rainer Kraus aus Nonnenhorn vertrat die Meinung: «Die Leute wandern nach Württemberg ab wegen der Ganztagsschule und wegen der kleineren Klassen.» Novy widersprach Letzterem. Im Schulamtsbezirk Oberallgäu-Lindau-Kempten liege die durchschnittliche Klassengröße an Hauptschulen bei 19,9 Schülern, so der Schulamtsdirektor.

Das Problem des Schülertransports sprach Markus Eugler, Bürgermeister von Grünenbach an. «Der logistische Aufwand ist im Schulverbund zu lösen», antwortete Thomas Novy.

Bei einem «Dialogforum» genannten Treffen von Landrat, Schulleitern, Bürgermeistern, Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern mit Regierungspräsident Scheufele, einer Vertreterin der Regierung von Schwaben und der Schulamtsleitung am 21. Januar in Lindenberg wird über die Umsetzung des Mittelschulkonzepts verhandelt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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