Frankenhofen
Bürgermeister: «Ein Ort unter Polizeikontrolle»

Die Stimmung ist nicht gut im Dorf. «Es gibt nur noch das eine Thema. Und keiner versteht die Sicht der Polizei», sagt der Bürgermeister Manfred Hauser. Für Unverständnis bei vielen Menschen in Frankenhofen (Ostallgäu) sorgen seit etwa zwei Monaten die «nahezu täglichen Polizeikontrollen» im Ort - vor allem rund um den Jugendtreff. «Komplett übertrieben und überzogen» nennt sie der Bürgermeister. Andere im Dorf sprechen gar von Schikane. Die Polizei dagegen sagt, die Kontrollen dienten dem Jugendschutz.

Auslöser für die Kontrollen war die Geburtstagsfeier eines 20-Jährigen Ende Juni im Jugendtreff von Frankenhofen. Es war laut an diesem Abend, es wurde spät und was folgte war laut Hauser eine Anzeige wegen Ruhestörung. Kurze Zeit später begannen die Kontrollen durch Beamte der Polizeiinspektion Buchloe. Nun ist es aber auch so, dass der unmittelbare Nachbar des Jugendtreffs selbst als Polizist bei der Inspektion in Buchloe arbeitet. Nicht wenigen in Frankenhofen fällt es schwer, an einen Zufall zu glauben. Sie sehen einen Zusammenhang zwischen der Polizeipräsenz im Dorf und dem Beruf des Anwohners.

Bürgermeister Hauser will sich an derartigen Spekulationen nicht beteiligen. Jedoch nennt er Frankenhofen «einen Ort unter Polizeikontrolle». Täglich, manchmal auch zweimal pro Tag haben Polizeibeamte seinen Schilderungen zufolge in den vergangenen Wochen Fahrzeug-, Alkohol- und Personenkontrollen durchgeführt - häufig am Jugendtreff. Zudem hätten die Beamten mehrfach auf die Einhaltung der Hausordnung im Jugendtreff gedrungen. Bis vor kurzem galt 22 Uhr als Ende der Öffnungszeit. Mittlerweile hat der Gemeinderat entschieden, dass das Haus bis 24 Uhr offen sein darf. «Aber was geht das die Polizei an? Das ist doch Sache der Gemeinde», sagt Hauser. Der Jugendtreff ist die alte Schule von Frankenhofen, erbaut 1916. Die Jugendlichen haben das zuvor arg herunter gekommene Gebäude in Eigenleistung in mehreren tausend Arbeitsstunden komplett renoviert.

Dafür haben sie viel Lob und Anerkennung in der Gemeinde bekommen. Etwa 15 Jugendliche treffen sich regelmäßig dort, etwa einmal im Monat feiern die 16- bis 21-Jährigen nach eigenen Aussagen eine Party. Laut Hauser ist bislang «immer alles im Rahmen gewesen». Weshalb er sagt: «Die Gemeinde steht voll hinter den Jugendlichen.»

«Ungestört schlafen»

Der Nachbar und Polizist mag sich zu den Kontrollen nicht äußern. Er lobt das Engagement der Jugendlichen und sagt, dass er nicht grundsätzlich gegen den Jugendtreff sei. «Ich möchte aber am Wochenende einfach ungestört schlafen.» Dies sei in der Vergangenheit oft nicht möglich gewesen wegen zuschlagender Autotüren und lautem Geschrei noch nachts um halb drei. Mit der neuen Öffnungszeit bis 24 Uhr habe er «kein Problem».

Beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West gibt man sich zurückhaltend auf die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen den Kontrollen und der Tätigkeit des Nachbarn als Polizist bestehe. «Unabhängig davon hat ein Kollege das Recht auf Nachtschlaf, wie jeder andere Bürger auch», sagt Polizeisprecher Christian Owsinski. Er bestätigt die vermehrten Kontrollen in Frankenhofen, nachdem es Beschwerden über den Jugendtreff gegeben habe. Allerdings seien die Streifen nicht täglich im Dorf gewesen. Die Kontrollen des Jugendtreffs dienten dem Jugendschutz, sagt Owsinski.

In den nächsten Tagen soll es ein Treffen geben zwischen Polizei, Bürgermeister und Jugendlichen.

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