Immenstadt
Bürger basteln an «Schule der Zukunft»

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«Stellen Sie sich vor, Geld spielt heute keine Rolle», sagt Kordula Küper und animiert den noch etwas schüchtern agierenden Herrn im karierten Hemd vor ihrer Stellwand, «die nächsten 100000 Euro auszugeben.» Das lässt sich Michael Pfrenger, Lehrer für Mathe, Physik und Informatik, nicht zweimal sagen und greift zu seinem dicken roten Stift und den gelben Klebeblättern. Diese beiden Utensilien liegen in der Stadthalle an diesem Abend hundertfach herum. In großen Buchstaben schreibt Pfrenger seine Wünsche für einen optimalen Unterricht auf - einen Beamer, Internetanschlüsse und interaktive Tafeln, zumindest in ganz bestimmten Klassenräumen. Lotsin Küper klebt das kleine gelbe Papier sofort zu den anderen 20 Blättchen, die schon an ihrer Stellwand zum Thema Schulausstattung hängen. Die freie Journalistin und zweifache Mutter ist eine von 40 Freiwilligen, die im Vorfeld darauf geschult wurden, die Anregungen der Bürger aufzunehmen und zu sortieren.

Es ist eine Premiere, die an diesem Mittwochabend im Hofgarten über die Bühne geht. Das interaktive Stück mit etwa 100 Darstellern heißt «Schule der Zukunft». Die Stadt Immenstadt hat zum ersten Bürgerforum geladen, unterstützt von dem Kommunikationstrainer Michael Fuchs (five4success) und der Firma Bosch. Bürger aus dem gesamten Stadtgebiet sollen ihre Ideen für die «Schule der Zukunft» aufschreiben.

«Ich nenne das offene Demokratie», erklärt Bürgermeister Armin Schaupp den «neuen Weg». Ganz bewusst wolle sich die Stadt beim komplexen Thema Schule «die Kompetenz aller zunutze machen, um eine tragfähige Entscheidung zu finden.» Dass sich eine neue Methode wie diese erst etablieren müsse, findet Fuchs ganz natürlich. Er zeigt sich zufrieden mit dem Abend, dessen Ablauf kaum vorhersehbar gewesen sei. In einem überschaubaren Rahmen könnten sich alle «vernünftig einbringen.»

An einer der 80 Stellwände geht es um die Grundsatzfrage: Soll ein neuer Schulkomplex gebaut oder bestehende Gebäude saniert werden? Schließlich hat die Stadt dem vielfach ausgezeichneten Architekten Professor Jörg Aldinger den Auftrag erteilt, die Ergebnisse des Bürgerforums sowohl in ein Neubau- als auch ein Sanierungskonzept einzuarbeiten.

«Ich bin gegen eine Sanierung des Gymnasiums, denn das würde den laufenden Unterricht viel zu sehr beeinträchtigen.» Das hat Ulrike Hitzler auf ihren Zettel geschrieben. Auch sie ist Lehrerin und damit an diesem Abend in bester Gesellschaft. Schüler dagegen sind nur wenige gekommen. Einer ist Ognen Sarakinow. Der 20-jährige Immenstädter hat gerade sein Abitur bestanden. Im Rückblick sagt er: «Bewegung wird in der Schule viel zu wenig gefördert.

» Er wünscht sich Preise für gute Sportler oder Sprachtalente. Silke Westphely, eine von 20 Bosch-Mitarbeitern, die den Abend ebenfalls unterstützen, betont: «Es geht heute darum, überhaupt mal miteinander ins Gespräch zu kommen.» Die Methode habe auch in ihrer Firma mit 3200 Mitarbeitern bei organisatorischen und technischen Prozessen schon einige Mal gut funktioniert.

Nach drei Stunden Austausch bedankt sich Armin Schaupp bei allen Teilnehmern und Helfern für «fantastische Arbeit» in kurzer Zeit und verspricht: «Wir wollen die Schule der Zukunft ganzheitlich gestalten und werden die Ideen in beide Konzepte einfließen lassen.» Die Frage der Finanzierung dürfe nicht im Vordergrund stehen. Bildung sei entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des ganzen Landes: «Deshalb müssen wir sie finanzieren.»

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