Lindenberg
Bühnentipps vom Profi

Der Boden ist übersät mit Blättern, Nebelschwaden wabern über Gräber - Herbststimmung auf einem Friedhof. Auf einer Holzbank sitzen drei Frauen: Witwen, die sich am Grab ihrer Männer über eben diese sowie über das Leben ganz allgemein unterhalten.

Plötzlich durchbricht eine Stimme die Szene: «Nicht zu schnell werden beim Sprechen!» Die Frauen stoppen ihre Unterhaltung, ein leises «Mist. Immer an derselben Stelle» ist zu hören, bevor sie ihren Text erneut - dieses Mal langsamer - sprechen: Probenzeit bei der «Jungen Bühne 74.» Am Samstag feiert sie im «Löwen»-Saal Premiere mit dem Stück «Die Wahrheit der Lügen.»

Darin stoßen die drei oben genannten Witwen bei einem Friedhofsbesuch auf merkwürdige Männer, die mal sichtbar sind und dann wieder nicht und dabei Ähnlichkeiten mit ihren verblichenen Ehemännern aufweisen.

Das Stück ausgesucht, bearbeitet und mit den Schauspielern erarbeitet hat der Mann, dessen Stimme in regelmäßigen Abständen Regieanweisungen aus dem Off gibt. Hellmuth E. Schnoor, professioneller Bühnenschauspieler und gebürtiger Hamburger, lebt seit gut zwanzig Jahren in Lindenberg und führt Regie bei der schwarzen Komödie, die im Original von Wolfgang Binder «Ruhe (un)sanft» heißt.

Erfahrungen weitergegeben

«Mir macht das unheimlich Spaß. Die Gruppe ist ganz große Klasse», lobt der erfahrene Schauspieler die Laien auf der Bühne. Glücklich mache ihn, dass sie seine Erfahrungswerte angenommen haben. Von denen habe er nach 45 Jahren am Theater reichlich weiterzugeben.

Gelernt hat der 67-Jährige am Hamburger Staatstheater. Verpflichtungen in Flensburg, Würzburg, Trier, Hof, Dortmund und anderen Städten folgten. Sieben Jahre lang war er beim Landestheater Schwaben in Memmingen. «Die Zeit dort vergesse ich nie», sagt er. Ein Grund dafür mag sein, dass er während dieser Zeit seine heutige Frau, Johanna Eller-Schnoor, kennengelernt hat, wegen der er vor 25 Jahren ins Allgäu zog. Die Lindenbergerin saß bei einer Premiere in Memmingen im Publikum.

Als Regisseur arbeitete Schnoor mit der «Jungen Bühne 74» schon wiederholt zusammen.

Da er den Darstellern die wirkliche Theaterkunst näher bringen wolle, habe er auch kein Schenkelklopfer-Stück ausgewählt mit, wie er es ausdrückt, «Oma im Schrank, Opa unterm Bett», sondern eine «anspruchsvolle Geschichte.» Was nicht bedeutet, dass nicht gelacht werden kann. Nur sei der Humor eben etwas schwärzer und tiefgründiger.

Die Premiere des Stückes findet am Samstag, 10. Oktober, um 20 Uhr im «Löwen»-Saal statt. Weitere Aufführungen gibt es am 11. Oktober, 16. Oktober, 17. Oktober und 18. Oktober, jeweils 20 Uhr.

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