Theater
Bühnenspiel mit Filmsequenzen verzahnt

Das Theaterstück «Der Brandner Kasper» nach einer Geschichte von Franz von Kobell aus dem Jahr 1871 ist wahrhaft zu einem Volksstück geworden. Die unverwüstliche und humorvolle Geschichte vom betrogenen Tod, der sich im Spiel vom Brandner Kasper einige Lebensjahre abluchsen lässt, wird besonders gerne von Laiengruppen aufgegriffen. So hat sich auch der Verein «Die Kulturschmiede» das Stück vorgenommen und auf der Bühne im Dorfsaal Kultiviert in Wildpoldsried aufgeführt.

Der junge Verein konnte seit seiner Gründung 2005 mit den Aufführungen des «Watzmann» einen großen Erfolg verbuchen und ein zahlreiches Publikum erreichen. Dem neuen Projekt hatte sich der 40 Mitglieder starke Verein nun mit viel Zeit und Hingabe gewidmet. Reini Hössl «übersetzte» das Stück vom Oberbayerischen ins Allgäuerische. Um der epischen Breite der Geschichte gerecht zu werden, die auch zwischen bäuerlicher Realität und himmlischem Paradies wechselt, wurde der Filmemacher Heubuch hinzugezogen.

Er verfertigte sehr saubere filmische Sequenzen, um das zu zeigen, was auf der Bühne nicht darstellbar ist. So zum Beispiel den Tod und Absturz von Brandners Tochter Marei in den Bergen. Auch Brandners «letzte Auffahrt» ins Paradies ist mit trickfilmischen Mitteln gelöst und zum optisch vergnüglichen Teil der Inszenierung geworden.

Sehr geschickt hat Heubuch dabei Bühnengeschehen und Film miteinander verzahnt, indem er Schauspieler von der Bühne abgehen lässt, die dann sogleich im Filmbild wieder auftauchen. Die Projektionen, die die ganze Bühne einnahmen, erlaubten ein sehr sparsames Bühnenbild.

Rollen richtig besetzt

Die Rollen waren alle richtig besetzt, die Figuren lebendig und treffsicher gestaltet. Vom schlauen Brandner über den humorlosen Michael bis zum nicht trinkfesten Boanlkramer fanden alle den richtigen Ton mit gutem Gespür für Lautstärke, Gesten und Pointen. Durch die neunköpfige Liveband gewann der Abend richtig an Unterhaltungswert, der weit über die der üblichen Inszenierungen hinausging.

Mit grandios vorgetragenen Songs von Hubert von Goisern, der Ersten Allgemeinen Verunsicherung und auch eigenen Kompositionen gelang es der Hans Hartmann Band die angemessene sphärische, meditative und mitreißende Atmosphäre zu schaffen. Auch hier wurde sehr geschickt Szene, Gesang und Musik miteinander verbunden und der lange verlorene, altdörfliche Charakter des Stückes glaubhaft in die heutige Zeit herübergerettet.

Der lange Atem bei der Vorbereitung, die dramaturgisch durchdachte Gestaltung und die guten schauspielerischen Leistungen wurden mit begeistertem Applaus belohnt.

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