Serie (21)
Buchenbergerin Anna Wiedemann schafft es auf den 3. Platz beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert

Das kostbare Stück liegt auf der Anrichte, auf dem geöffneten Koffer. Es ist glänzend poliert und hat den Wert eines Kleinwagens. Nur noch eine Woche darf Anna Wiedemann die Meistergeige des Geigenbaumeisters Andreas Ott, einem Schüler des bekannten Füssener Geigenbauers Pierre Chaubert, behalten. Mit diesem Leihinstrument hat sie es im Bundeswettbewerb «Jugend musiziert» im Juni in Neubrandenburg mit dem «Cambodunum-Quartett», bei dem sie die erste Geige spielt, auf den 3. Platz geschafft.

Anna Wiedemann ist eine 15-Jährige, die bei Serenadenabenden in Bad Bayersoien oder mit dem Bayerischen Landesjugendorchester in der Meistersingerhalle in Nürnberg konzertiert. Sie hat einen Terminkalender, von dem manche Berufsmusiker träumen. In jedem Orchester, in das sie kommt, wird sie sofort als erste Geigerin eingesetzt. Ihr nächstes Ziel ist es, Jungstudentin in München zu werden. Dafür nimmt sie ab September Privatstunden bei der Münchner Professorin Sonja Korkeala, bei der sie bereits einen Meisterkurs absolvierte.

Sofort wollte die erste Geigerin des Rodin Quartetts mit der Schülerin aus Buchenberg arbeiten. Anna lacht, wenn sie erzählt, dass ein Juror bei << Jugend musiziert >> sie gleich für ein Konzert in der Wieskirche engagiert hat. Sie lacht, als ob sie ihren Erfolg noch gar nicht glauben mag.

Aber ohne Üben und das unermüdliche Engagement ihres langjährigen Geigenlehrers Johannes Kühn geht auch mit viel Talent nichts. Die Geige ist jeden Tag mindestens eine Stunde im Einsatz.

<< Es kommt mir sehr komisch vor, wenn der Tag vorüber ist und ich noch nicht geübt habe >>, sagt die Neuntklässlerin des Allgäu-Gymnasiums. Badeausflüge am Wochenende müssen lange Zeit vorher geplant werden. Dabei hat Anna Wiedemann erst relativ spät, mit acht Jahren, ihren ersten Geigenunterricht an der Musikschule in Kempten erhalten. Doch seit sie 13 Jahre alt ist, weiß sie, dass sie Berufsmusikerin werden möchte und auch, dass sie es schaffen kann. Auf ihrem iPod findet sich zu 75 Prozent klassische Musik und ihr Freundeskreis setzt sich vorwiegend aus Musikern zusammen. << Meine Freunde sind über die ganze Welt verteilt >>, sagt Anna. << Das ist eine Riesenfamilie. >>

Man glaubt ihr gern, dass es in ihrer Umgebung kein Konkurrenzgerangel gibt. Denn noch geht es um nichts. Was im Moment zählt, ist die Freude am Musizieren. << Als klar war, dass sie damit glücklich ist >>, sagt Mutter Elke Wiedemann, haben sie ihr Leben nach der Geige gerichtet. In ihrer Familie sind alle musikalisch, aber Anna sei die erste Streicherin.

So wird auch nicht auf ein neues Auto, sondern auf das bald unerlässliche Soloinstrument, zu dem ihr alle Dozenten raten, gespart. Doch jetzt heißt es vorerst Abschied nehmen von dem geliehenen Meisterstück. Anna wird die Geige zurück nach Füssen bringen. In der Geigenbauwerkstatt von Pierre Chaubert absolviert sie ihr Schulpraktikum. Und dort warten auf die Geigerin mit dem absoluten Gehör weitere tolle Herausforderungen. << Ich darf seine Instrumente einstimmen. >> Das hat Chaubert ihr schon zugesichert.

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