Brisante Aktennotiz, Kuvert voller Geld

Hawangen | hku | Xaver Keller ist nicht nur Aufsichtsratschef des Hawanger Milchwerks, sondern auch Zweiter Bürgermeister in der Unterallgäuer Gemeinde. Für ihn gehe es nun um sein Ansehen, sagt der 51-Jährige. Das Milchwerk steckt, wie berichtet, in heftigen Turbulenzen. Es geht unter anderem um eine Schwarzgeld-Kasse. Keller legt ein Blatt auf den Tisch: Damit könne er beweisen, dass die Kasse das alleinige Werk des Ex-Vorstandschefs Manfred Hartmann gewesen sei.

Im Flur des Milchwerk-Gebäudes hängen viele Urkunden, die die Genossenschaft für ihre Produkte bekommen hat. Doch ein paar Meter weiter, im Konferenzraum, geht es an diesem Nachmittag mitnichten um die Erfolge des Unternehmens. Auf der Tagesordnung steht der Skandal, der das Milchwerk bis ins Mark erschüttert. Das Papier, das Keller als Kronzeuge benennt, ist eine Aktennotiz von 1995.

'Die Teilnehmer wurden vom Unterzeichner über die vom VV Hartmann eingerichtete Schwarzgeld-Kasse und den damit verbundenen Risiken informiert', lautet deren erster Satz. Gleichzeitig wird eine Summe von fast 103 000 Mark genannt. Beim Unterzeichner handelt es sich um einen Mitarbeiter des Genossenschaftsverbandes, VV ist die Abkürzung für Vorstandsvorsitzender. In der Aktennotiz steht auch, dass Hartmann eine Kopie des Schriftstücks unterzeichnet habe.

Das sei nun ja wohl der Beweis, folgert Keller, dass es nicht schon vor Hartmanns Amtsantritt in den 1980er Jahren eine Schwarzgeld-Kasse gegeben habe. Der frühere Vorstandsvorsitzende behauptet das Gegenteil und sagt gleichzeitig, dass Keller - damals wie heute Aufsichtsratschef - und einige Vorstände davon gewusst hätten. Mitglieder der Führungsgremien, die zum Zeitpunkt der Aktennotiz im Amt waren, weisen das mit Entschiedenheit zurück. Im Hawanger Milchwerk heißt es, man habe nur von der Existenz einer 'Art Portokasse' gewusst, in die etwa der Erlös aus einem Alteisen-Verkauf geflossen sei.

'Es wurde darüber gesprochen'

Damit konfrontiert, erzählt Hartmann von einem 'dicken Kuvert voller Geldscheine'. Das sei 'zirka 1991 oder 1992' im Büro gelegen, wo es Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat gesehen hätten. Spätestens da habe klar sein müssen, was läuft. 'Es wurde sogar darüber gesprochen.' Hartmann schildert das damalige Vorgehen: 'Schecks wurden in bar eingelöst, das Geld ging in die Schwarzgeld-Kasse.' Und die Aktennotiz habe er unterzeichnet, 'um den Vorgang abzuschließen'.

Noch nicht beendet ist die Diskussion um mehrere Schecks. Kurz vor Hartmanns Ausscheiden sind laut der jetzigen Vorstandschaft 'größere Geldbeträge' von der Genossenschaft auf Hartmanns privates Konto geflossen. Das sorgt für Spekulationen. Man lasse den Vorgang von einem Juristen prüfen, so die Milchwerk-Vorstandschaft. Er habe das Unternehmen nicht betrogen, beteuert der frühere Landwirt Hartmann. 'Es handelte sich um Milchgeld, das mir zustand.'

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen