Allgäu
Briefwahl und nochmals Briefwahl

Die Allgäuer Zeitung beleuchtet das Leben in Marktoberdorf und Umgebung rund um die Uhr - täglich für jeweils eine Stunde. Von 15 bis 16 Uhr waren wir gestern im Bürgerbüro der Stadt zu Gast. Marktoberdorf «Ich bin wegen einer Grabauflösung da», sagt der Mann mit grau meliertem Haar und blickt Rosi Beiz im Bürgerbüro hilfesuchend an. «Da gehen Sie am besten zu Herrn Martin, Zimmer 204. Der hilft ihnen weiter», sagt Beiz. Ihre Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, der Ton freundlich, bestimmt. Mit leisem Bedauern in der Stimme vertröstet sie kurz darauf eine junge Frau, die ihren Reisepass verlängern will, auf den nächsten Tag: Das Einwohnermeldeamt sei leider schon geschlossen.

Passanträge, Anträge auf Mietzuschuss oder auch Grabauflösungen: Für Beiz und Kollegin Barbara Heim leichte Übungen, auch wenn das Bürgerbüro dafür nicht zuständig ist. «Die Kolleginnen müssen nicht nur wissen, wer hier was macht, sondern auch wofür das Landrats- oder das Finanzamt, die Arbeitsagentur oder das Versorgungsamt in Augsburg zuständig sind», sagt Florian Budschied.

«Abends oft heiße Ohren»

Der 28-Jährige ist zuständig für die Koordination im städtischen Bürgerbüro. Dort ist es in der Stunde vor Dienstschluss zwischen 15 und 16 Uhr ziemlich ruhig. Ungefähr zehn Marktoberdorfer Bürger bringen ihre Anliegen persönlich vor; nur das Telefon schrillt häufig. «Das läutet normalerweise aber auch öfter», betont Barbara Heim. «Abends habe ich oft heiße Ohren», sagt Rosi Beiz.

Den am Dienstag eher geringen «Kundenstrom» erklärt Budschied mit dem Tag zuvor: Der lange Montag, an dem das Bürgerbüro bis 18 Uhr auf sei und der «frühe Freitag» (ab 7 Uhr) würden sehr gut angenommen. Die Bürger, die am ruhigeren Dienstag dennoch kommen, sind derzeit die Briefwähler, die sich ihre Wahlunterlagen für die Bundestagswahl holen oder gleich in der Kabine vor Ort ihre Kreuze machen.

Ein verlorener Schlüssel, Briefwahl und nochmals Briefwahl: Das ist der Eindruck, der sich im Bürgerbüro aufdrängt - und nicht täuscht. «Zwischen 300 und 400 Bürger waren wegen der Briefwahl seit Donnerstag mehr hier als sonst», schätzt Budschied.

Die anderen holten Pässe ab, Anträge jeglicher Art (amtsfremde Formulare für Steuererklärungen liegen ebenso auf wie Sperrmüllkarten), stellten Fragen - oder beschwerten sich.

«Wir sind die erste Anlaufstelle», so Budschied: «Wenn einer sich über ein Knöllchen aufregt oder einen unangenehmen Brief, kommt es vor, dass es richtig kracht.» Schätzungsweise passiere das ein, zweimal im Monat: Unfreundliche Bürger seien schon die Ausnahme. Eher absurde Anfragen gebe es öfter. Nach Details einer Erbpacht, nach Telefonnummern von Supermärkten oder wie lange eine Straßensperrung in Seeg noch gehe. «Für viele sind wir die Auskunft», sagt Rosi Beiz lachend: Wichtig sei es, freundlich zu bleiben - «auch wenn man mal nicht weiterhelfen kann.»

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