Bregenzer Mut wird belohnt

Die Bregenzer sprechen gerne von einem Spagat, wenn sie das Konzept ihrer Festspiele beschreiben. Das eine ausgestreckte Bein ist die Oper auf der Seebühne, welche die Massen anlockt und Geld in die Kasse bringt. Das andere Bein ist der Rest des Festivals, also die modernen bis zeitgenössischen Aufführungen - vor allem die exaltierten Inszenierungen in der Reihe «Kunst aus der Zeit» (KAZ). Das bringt nicht so viel Geld in die Kassen, dafür aber jede Menge Lob.

Populäre Massen-Kunst finanziert unpopuläre Nischen-Kunst - auf diesen Nenner lässt sich die Übung bringen. Die Bregenzer haben sie perfektioniert - und setzen in diesem Festspiel-Sommer gar eins drauf: Noch nie haben sie bei der Oper und den Orchesterkonzerten im Festspielhaus sowie bei der Operette im Kornmarkttheater solch schwere Kost serviert.

Dabei dreht sich alles um Ernst Krenek. Diesem österreichischen Jahrhundert-Komponisten (1900 bis 1991) räumte Intendant David Pountney größten Platz ein und mutete dem Publikum sperrige Brocken wie seine Zwölfton-Oper «Karl V.», die Operetten-Satire «Kehraus um St. Stephan» zu und nahm auch Kreneks Orchesterwerke ins Konzertprogramm.

Anderswo wird solcher (Wage-)Mut oft bestraft - mit leeren Sitzen und Entrüstungen nach dem Motto: Wie kann man das uns, dem Publikum, bloß zumuten!

In Bregenz ist das anders. Über 4000 Menschen sahen «Karl V.», rund 2000 «Kehraus». Die Auslastung betrug in beiden Fällen über 80 Prozent. Das sind Traumquoten. Und die Zuschauer waren durchweg begeistert.

Warum diese Erfolge? Vermutlich haben Intendant Pountney und seine Ratgeber ein gutes Händchen bei der Auswahl der Stücke. Ganz sicher aber produzieren sie diese abseits des Mainstreams gelegenen Werke auf unglaublich professionelle, ernsthafte und ansprechende Weise.

Welch verblüffende Qualität beispielsweise brachten Regisseur Uwe Eric Laufenberg, Dirigent Lothar Koenigs und seine Wiener Symphoniker sowie Hauptdarsteller Dietrich Henschel bei der Oper «Karl V.» auf die Bühne.

Festspiel-Präsident Günter Rhomberg hat schon vor dem Festivalstart angekündigt, man wolle den Bregenzer Spagat noch konsequenter betreiben. Wie man sieht, funktioniert er. Das wird den Ruf von Bregenz mehren, nicht nur Festspiele für ein Massenpublikum zu bieten, sondern auch für jene, die Neues, ja gar Unbequemes hören und sehen wollen.

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