Reportage
Brasilianische Kampfkunst im Allgäu - Capoeira, der Kampftanz

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Auf den ersten Blick ist man sich nicht sicher, was es genau ist. Eine Kampfsportart oder doch ein akrobatischer Tanz. Capoeira ist beides. Tanz und Kampf.

Leonardo da Silva (34), in der Capoeira-Szene besser bekannt unter dem Namen "Professor Bronco", ist gebürtiger Brasilianer und hat Capoeria bereits als Kind kennen gelernt: Mit 12 Jahren begann er über ein Sozialprojekt mit dem Kampfsport, der von Akrobatik, Tanz und Musik geprägt ist. "Capoeira ist eine Lebensphilosophie", sagt er. Eine Philosophie, die er nach Stationen in Brasilien und Österreich seit Ende 2012 auch in Kempten vermittelt.

Die Capoeira hat ihre Ursprünge in Brasilien. Sie geht zurück auf afrikanische Sklaven, die damit eine Art Verteidigung gegen ihre Vorgesetzten praktizierten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine Kampfsportart der besonderen Form, kombiniert mit Musik, tänzerischen und akrobatischen Elementen, der sich dadurch von anderen Kampfsportarten abgrenzt. "Capoeira ist Kampf, wenn der Moment dazu da ist, und Capoeira ist Tanz, wenn der Moment dazu da ist", so der 34-jährige Leonardo.

Ausgangssituation ist dabei die sogenannte "Roda": Die "Capoeirista" stehen im Kreis und immer zwei von ihnen beginnen ihr "Spiel" – so nennt man in der Capoeria den Kampf. Ähnlich wie beim Tanz gibt es bei der Capoeira einen Grundschritt, den "Ginga". Dabei ist man permanent in Bewegung und baut unterschiedliche Arm-, Fuß- und Drehtechniken ein. Verbunden mit schnellen, mitreißenden Instrumenten zieht diese Sportart Kämpfer und Zuschauer schnell in ihren Bann.

So wie Andrea. Die Kemptenerin betreibt Capoeira seit neun Jahren. "Mich faszinierte das Ungewöhnliche. Ich habe das einmal am Strand gesehen, das war spannend, aufregend, die Musik hat mir gut gefallen." Für sie ist Capoeira ein Sport für alle. "Es ist ein Sport, den man sich passend gestalten kann."

Von anderen Kampfsportarten grenzt sich Capoeira dadurch ab, dass nie mit Fäusten, sondern mit der offenen Hand geschlagen wird. Und bei Wettkämpfen kämpft man nicht gegen den Gegner, sondern "mit" ihm. "Es gibt dann in der Bewertung verschiedene Kriterien wie Kreativität, Objektivität und Reaktionsschnelligkeit", erklärt Leonardo, der selbst schon einmal Weltmeister war. Wer am Schluss die meisten Punkte hat, gewinnt.

Andererseits hat Capoeira durchaus auch Ähnlichkeiten mit Jiu Jitsu, Karate und Co. Als Capoeirista verbessert man seine Reaktionsschnelligkeit, erlernt verschiedene Abwehrreaktionen und kann sich so im Notfall auch selbst verteidigen. Und auch bei der Capoeira gibt es verschiedene Ränge oder Graduierungen: Andrea zum Beispiel befindet sich momentan zwischen "Aluno" (Schüler) und "Aluno graduado" (graduierter Schüler). Letzterer darf auch schon unterrichten. Höhere Grade sind dann "Instrutore" und "Professore", von denen es bereits einige in Europa gibt, sowie "Mistrando" und "Mestre", die man bisher nur in Brasilien antrifft, der Heimat des Capoeira.

Leonardo alias "Professor Bronco" unterrichtet seit Ende 2012 in Kempten im Abadá Capoeira Kempten e.V. Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Abadá Capoeira verbindet zwei unterschiedliche Arten von Capoeira, die (traditionellere) Capoeira Angola mit der (moderneren) Capoeira Regional. Immer wieder wird dabei auch draußen trainiert. Im Hofgarten von Kempten sieht man die Gruppe öfters und wer sie entdeckt, darf sich gerne anschließen und mitmachen.

Autor:

Redaktion all-in.de aus Kempten

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