Hilfsaktion
Bori Kössel bringt gebrauchte Brillen in den Senegal

Über acht Stunden lang hatten einige von ihnen ausgeharrt. So mancher war sogar mehr als 100 Kilometer angereist - und das nur, um von Bori Kössel eine gebrauchte Brille zu bekommen: Über 400 Senegalesen hat der Immenstädter Optiker jüngst mit Sehhilfen versorgt, die Oberallgäuer seit Juli 2008 in seinem Geschäft abgegeben hatten (wir berichteten). Und zwar vor Ort in der Mission von Abbé Raphael Wade in Khombole, wo ihn knapp eine Woche lang die Münchener Augenoptikerin Monika Dlugosch unterstützte.

«Die Leute haben Luftsprünge gemacht und uns in ihre Arme genommen. Die Umarmungen waren viel mehr wert als eine Bezahlung», schildert Kössel seine Eindrücke. Mehr als gelohnt habe sich der ganze Aufwand und die Hilfsaktion, die über den Oberallgäuer Verein «Hilfe für Afrika - Wasser für Senegal» und Abbé Raphael Wade zustande gekommen war. Schließlich musste im Vorfeld jede der über 2000 gespendeten Brillen sauber gemacht, genau gebogen und deren Glasstärke gemessen werden. Anschließend wurden sie in Folie verpackt und je nach Stärke sortiert in eine der Boxen gelegt, die im Container in Richtung Afrika verschifft wurden.

Damit die Hilfe aber auch wirklich ankommt, machte sich Kössel mit seiner Bekannten aus München nun selbst auf den Weg. «Eigentlich wollten wir das schon ein Jahr früher tun, doch es gab Probleme mit dem Container.» Im Koffer hatten die beiden ein Optisches Handmessgerät dabei, das bei jedem Patienten erstmal die Sehkraft ermittelte. Der Immenstädter suchte dann aus den beschrifteten Boxen die passende Brille heraus und kontrollierte die Stärke mit Hilfe eines sogenannten Glasvorsetzers. Und das täglich bis zu 80 Mal unter einem Blechdach bei 35 Grad Celsius im Schatten. Kössel: «Abends waren wir richtig platt. Aber es war ein schönes Gefühl, die Leute glücklich zu sehen.»

Helfern Wissen vermittelt

Über Nacht quartierten sich die Optiker in einer Unterkunft im gut 30 Kilometer westlich gelegenen Thiès ein, ehe es gegen 7 Uhr morgens wieder mit dem Auto zurück nach Khombole ging. Am Ende der Woche gab der Oberallgäuer drei jungen Deutsch sprechenden Helfern einen kleinen Kurs: «So wissen sie, wie sie die restlichen Brillen anpassen und so noch anderen Landsleuten helfen können.»

Darüber hinaus lässt Kössel derzeit elf Sondermodelle auf eigene Kosten in seinem Geschäft anfertigen: «Beispielsweise hatte ein Mädchen eine riesige Brille, die viel zu groß war und einfach furchtbar aussah.» Noch diesen Monat soll sie ihre neue bekommen.

Übrigens sammelt Kössel weiterhin in seinem Geschäft in der Bahnhofstraße 16 in Immenstadt getragene Brillen. «In zwei bis drei Jahren wollen wir erneut runterfahren und die gespendeten Brillen übergeben. Es wäre schön, wenn dann ein Augenarzt mitkommen könnte.» Dem Immenstädter sind in Khombole nämlich mehrere Menschen aufgefallen, die an Grauem oder Grünem Star erkrankt sind.

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