Memmingen
Blues-Schlagseite

Robben Ford ist ein Wanderer zwischen den Welten von Jazz und Blues. Mit deutlicher Blues-Schlagseite hat der Kalifornier in den letzten Jahren seinen eigenen Stil entwickelt und perfektioniert. Den fast 300 Blues-Freunden im Kaminwerk stellt er fast alle Stücke seiner neuen Live-CD «Ten on Soul» vor. Dabei verliert Ford nicht viele Worte, sondern lässt lieber seine Gitarre sprechen und singen.

Auf der einen Seite lässt Ford sich gerne in vergeistigt-versponnenen Jazz-Gefilden treiben. Andererseits erweist er erdverbunden und rau mit alten Blues-Stampfern wie «Please set a Date» und «Spoonful» Elmore James und Willie Dixon seine Reverenz. Hier schiebt Ford eruptiv ausbrechende Gitarrensoli ein, die auch mal einige Minuten andauern können. Besonders intensiv quält der 58-Jährige die Saiten beim Anti-Kriegslied «Peace of my Mind», während er zu «Dont worry bout me» lässiges Wah-Wah einsetzt. In die Stücke eingebettet liegt Fords sparsamer, für das Bluesgenre fast zu feiner Gesang.

Wie Ford erringen auch die anderen Musiker Zwischenapplaus durch ihre Soli. Das gefühlvolle, höchst akzentuierte Drumming des griechisch-stämmigen Toss Panos, und Andy Hess melodiöses, druckvolles Bassspiel bauen nicht nur ein stabiles Fundament für Fords solistische Ausflüge, sie sind selbst spannende Wanderungen, bei denen schon das Zuschauen Spaß macht. Gerade Hess vergießt dabei so manchen Schweißtropfen.

Geschickt variieren alle mit der Lautstärke. Leise, dezente Passagen wechseln mit rockigen, die Übergänge sind oft fließend. Man sieht und hört, dass die Drei ein homogenes Gespann sind. Sie reagieren traumwandlerisch auf die instrumentalen Bälle, die sie einander zuspielen. Heraus kommt lebendiger, transparenter, moderner Blues.

Robben Fords Bühnenpräsenz ist unspektakulär. Er bewegt sich nicht viel, scheint in sich und seine Musik gekehrt, die mehr den Intellekt anspricht als die Beine. Außer bei den packenden Gitarrensoli will im teilbestuhlten Kaminwerk eine ausgelassene Live-Stimmung nicht so recht aufkommen. Das fachkundige Publikum klatscht brav, wippt und trommelt mit. Überschwängliche Beifallsstürme würden bei Robben Ford eher störend wirken. Das Konzert, veranstaltet von Jazz Art Memmingen (Jamm), endet früh nach einer knappen Zugabe. Handwerklich ist dem sehr gut eingespielten Trio die Jazz-Blues-Gratwanderung ohne jeden Zweifel geglückt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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