Blöd angemacht - da flogen die Fäuste

Kempten (bec). Stickig, heiß und proppenvoll war’s an jenem Augustabend im Weinzelt auf der Festwoche - und es kam zur Schlägerei. Und zwar so heftig, dass zwei junge Männer Gesichts- und Kieferprellungen sowie einer davon zusätzlich Platzwunden an der Lippe davontrugen. Wegen gefährlicher Körperverletzung mussten sich jetzt zwei 19-Jährige und ein 20-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. So einseitig, stellte sich letztlich heraus, war die Prügelei dann aber doch nicht. Immerhin wurde auch einer der Angeklagten im Gesicht und an der Schulter verletzt und ein anderer verdrehte sich böse den Daumen - und das, obwohl beide Geschädigten nicht zugeschlagen haben wollten. Das Verfahren gegen die drei jungen Männer wurde deshalb eingestellt, für zwei gegen eine Geldauflage.

Auf dem Gang zur Toilette wurde der 20-jährige 'Haupttäter' im Weinzelt handgreiflich. Das gab dieser auch zu. Allerdings wollte er sich - weil ihn sein gleichaltriger Kontrahent 'blöd angemacht' habe und dessen Freunde dann rabiat geworden seien - lediglich verteidigt haben. Letztendlich eilten die Freunde von beiden Seiten zu Hilfe und es kam zum allgemeinen Handgemenge, an dessen genauen Verlauf sich aber niemand mehr so recht erinnern konnte.

Eine andere Version erzählten die beiden Geschädigten. Der 20-Jährige habe den Streit provoziert und als Erster zugeschlagen. Sie selbst hätten ihre Fäuste gar nicht sprechen lassen. Wie es also zu den Verletzungen der Angeklagten kam, sei ihnen ein Rätsel.

Ein Rätsel war bei der Verhandlung übrigens auch, was der dritte Angeklagte eigentlich vor dem Kadi zu suchen hatte. Denn zwar hatten ihn alle Beteiligten beim Handgemenge im Weinzelt gesehen. Und er selbst gab zu, einen der Geschädigten in den Schwitzkasten genommen zu haben, um ihn vom Geschehen wegzuziehen. Allerdings wollte sich nicht einmal der Geschädigte daran erinnern und auch die Zeugen wussten nichts von seiner Beteiligung an der Prügelei, weshalb das Verfahren gegen den jungen Mann ohne Geldauflage eingestellt wurde.

Blieben noch der 19-jährige und der 20-jährige Angeklagte. Zwar könne man ersterem, meinte der Richter, Faustschläge nicht wirklich nachweisen, doch nach Angaben der Zeugen sei er doch zumindest beteiligt gewesen. Weil der junge Mann, der gerade eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer macht, aber nur 400 Euro im Monat verdient, hielt sich seine Geldauflage in Grenzen: 150 Euro muss er an Misereor zahlen, dann kommt er 'mit einer weißen Weste' aus der Sache raus.

Angeklagter hat die Wahl

Und der 20-Jährige? Der hatte sich wortgewandt selbst verteidigt und immer wieder versucht, in den Aussagen der Zeugen Widersprüche aufzudecken. Des ersten Schlags in der Prügelei war er dennoch überführt. Weil der Student aber keine Vorstrafen hat, wurde das Verfahren gegen ihn mit Einwilligung der Staatsanwaltschaft ebenfalls eingestellt. Die Wahl der Auflage überließ man ihm: 400 Euro an WWF oder aber zwei Wochenenden Freizeitarrest in Augsburg. Der 20-Jährige entschied sich trotz Geldmangels für die erste Lösung, jedoch nicht ohne zu betonen, dass er sich ungerecht behandelt fühle. Schließlich habe die Gegenseite auch zugeschlagen und muss nun nichts zahlen. Wie das angehen könne? 'Sie sitzen nun mal auf der Anklagebank', gab ihm der Richter mit. Den Rest könne er ja beim Staatsanwalt erfragen.

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