Pressegespräch
BLLV: Vor allem in ländlichen Schulen mangelt es an Lehrern

Es seien vor allem die Schulen auf dem Land, die noch immer zu wenig Lehrer haben, betonen Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), und der Oberallgäuer Kreisvorsitzende Herbert Sedlmair bei einem Pressegespräch in der Immenstädter Mittelschule. In kleineren Schulen, etwa in Rettenberg, Bad Hindelang oder Missen-Wilhams, gebe es viele kleine Klassen mit 13 bis 15 Schülern im Schnitt. «Jetzt budgetiert aber das Kultusministerium bayernweit einheitlich und rechnet dabei mit einer Klassenstärke von 23 Schülern», kritisiert Sedlmair. Soll heißen: Kleine, ländliche Schulen bekämen weniger Lehrer zugeteilt, große Schulen in Städten dagegen mehr. Darum fordert der Lehrerverband, zumindest die Budgetierung für ländliche Schulen zu ändern.

«Mehr in Bildung investieren»

Am liebsten wäre es BLLV-Präsidenten Wenzel, wenn der Freistaat generell mehr in Bildung investiere: «Wir hätten ja genug Lehrer, aber das Geld wird nicht zur Verfügung gestellt.» Freilich sei zwar die Lehrerdichte so groß wie noch nie - allerdings seien das auch die gesellschaftspolitischen Probleme, um die sich Lehrer kümmern sollen. Wenzel: «Wir müssen erst die Lebensprobleme der Schüler lösen und dann ihre Lernprobleme.»

Ohne Frühstück in die Schule

Bei vielen Kindern finde Erziehung zu Hause nicht mehr statt, weiß Thomas Müller. Der stellvertretender Leiter der Mittelschule Immenstadt kennt Schüler, die «ohne Frühstück und ohne Lernmaterial in die Schule kommen».

Der BLLV-Bezirksvorsitzenden Gertrud Nigg-Klee sind sogar Fälle im Oberallgäu bekannt, «wo Schulen Schüler morgens aus dem Bett klingeln müssen», weil das deren Eltern nicht auf die Reihe kriegen.

«Ich hatte mal einen Schüler, der in der Früh mit Schlafanzug in die Klasse gekommen ist», erzählt Wenzel von seiner Zeit als Lehrer an einer Nürnberger Schule. Freilich seien das Einzelfälle, doch die Problematik zeige, «wie breit inzwischen die Bandbreite ist - auch auf dem Land». Solche Fälle häuften sich, «auch wenn über 80 Prozent der Schüler motiviert sind», ergänzt stellvertretender Schulleiter Müller.

«Den Schülern hat man angemerkt, dass sie sich hier angenommen fühlen», schildert Wenzel seine Eindrücke von der Mittelschule Immenstadt, die er nach dem Besuch zweier Ganztagsklassen gewonnen hat. Trotz der bedenklichen Rahmenstrukturen des Freistaats hätten die Lehrer an der Schule «etwas aus der Situation gemacht» und mit Schülern ein «pädagogisches Vertrauensklima entwickelt».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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