Kempten
Blitzstart ins Leben - und das mitten auf dem Gehsteig

Als hätte der zweijährige Valentin es geahnt. Er stellte sich die Geburt seines Bruders Fabian nämlich dergestalt vor, dass das Baby einfach aus Mamas Bauch krabbelt. «Und so wars dann ja auch», schmunzelt Professor Dr. Ricardo Felberbaum, Chefarzt der Gynäkologie am Klinikum. Der kleine Fabian nämlich hatte es so eilig, dass er gar nicht erst bis zur Ankunft im Kreißsaal wartete - sondern mitten auf dem Gehsteig vor dem Klinikum das Licht der Welt erblickte.

Rückblende: Es ist Mittwochabend, so gegen 19 Uhr. Kathrin Menz ruft ihren Mann Jochen an. Er soll sofort kommen, die Fruchtblase ist geplatzt. Der 31-Jährige düst von Altusried nach Heiligkreuz und packt seine schwangere Frau ins Auto. «Dabei war ich am Nachmittag noch beim Arzt. Dort hieß es, dass es noch dauern kann», erinnert sich die 31-Jährige. 13 Tage nämlich hätte Fabian noch Zeit gehabt.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Jochen Menz parkt vor dem Verwaltungsgebäude des Klinikums und stützt seine Frau, die starke Schmerzen hat. Zur selben Zeit will Gynäkologe Felberbaum gerade nach Hause fahren und sieht aus dem Augenwinkel, wie sich eine Frau auf dem Gehsteig vor Schmerzen krümmt.

Er steigt aus, sprintet - in Anzug und Krawatte - los, sieht gleich darauf, worum es sich handelt und befindet: «Bis in den Kreißsaal schaffen wir es ohnehin nicht mehr.» Denn Fabian hat bereits Vorarbeit geleistet, der Kopf ist schon draußen. Während der Mediziner per Handy Hebamme Lilly Grünwald und Assistenzärztin Melanie Kaiser alarmiert, hat Jochen Menz gerade noch Zeit, ein Handtuch aus dem Auto zu holen und es unter Fabians Kopf zu schieben. Dann ist das Baby auch schon da: 53 Zentimeter lang, 3380 Gramm schwer und «topfit», wie der Gynäkologe dem Knirps bescheinigt.

«So wie es war, war es gut»

Heute, drei Tage später, kann die ganze Familie über diese besondere Geburt schmunzelnd den Kopf schütteln. «Es wären nur fünf Minuten bis in den Kreißsaal gewesen», sagt Kathrin Menz und fügt hinzu: «Aber so wie es war, war es gut.» Schließlich ist Fabians Geschichte eine, die in der Familie noch in zig Jahren erzählt wird. Und sicherlich auch am Klinikum, wie Felberbaum meint: «Es gibt Geburten im Leben eines Geburtshelfers, die man nie vergisst. Diese gehört sicher dazu.»

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