Sonthofen / Oberallgäu
Blitzschnell fliegen die Fäuste

«Das Metier ist mit Gefahren verbunden.» Mit dieser Erklärung versuchte der Verteidiger eines jungen Mannes zu relativieren, dass sein der Körperverletzung beschuldigter Mandant vor einer Diskothek in Sonthofen gleich zwei Bundeswehr-Soldaten mit Faustschlägen traktiert hatte. Immerhin erlitt einer der beiden einen Nasenbeinbruch. Der andere leidet noch immer unter der Attacke ins Gesicht. So leicht wie der Rechtsanwalt machte es sich Richter Andy Kögl beim Prozess vor dem Amtsgericht Sonthofen indes nicht. Ungeachtet der Unterstellung des Verteidigers, die Opfer hätten gelogen, verurteilte er den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 30 Euro.

Dass es sich bei dem mit den Fäusten sehr fixen, aber ansonsten eher schmächtig wirkenden jungen Mann nicht um ein Unschuldslamm handeln konnte, wurde dem Gericht schon durch die Aktenlage klar: Zwei einschlägige Vorstrafen wegen Körperverletzung sprachen eine deutliche Sprache. Und da war noch ein Vorfall, der sich Wochen vor der jetzigen zu beurteilenden Schlägerei ereignet hatte. Diesen in die Anklage aufgenommenen Tatvorwurf beantwortete der Richter indes mit einem Freispruch. Denn es sei nicht einwandfrei erwiesen, ob nicht doch eine Notwehrlage des Angeklagten vorgelegen habe, zumal das damalige Gegenüber mit einem Messerangriff gedroht haben soll.

Blieb das Ereignis rund um die Diskothek. Vier Zeugen ließ das Gericht zu Wort kommen, um das Geschehen aufzuhellen. Weil dabei nicht alles in den Schilderungen übereinstimmte, kam der Verteidiger zum Schluss, dass die Opfer zumindest «äußerst unglaubwürdig» ausgesagt hätten, weswegen eine Einstellung des Verfahrens angezeigt sei.

«Eine mitgegeben»

Dabei hatte der Angeklagte zuvor offen eingeräumt, beiden «eine mitgegeben» zu haben. Einem Kopfstoß ins Gesicht des einen folgte blitzschnell ein Faustschlag auf die Nase des anderen. Angeblich hatten die beiden Soldaten seinen Freund und ihn auf der Tanzfläche der «Disco» unnötig provoziert.

«Das war falsch von meiner Seite, es war aber auch falsch von der anderen Seite», wollte der Angeklagte nicht die Alleinschuld an der Rauferei auf sich nehmen. Im Übrigen bat er um Milde, da er jetzt einen Job gefunden und eine Familie gründen wolle. «Das war keine Notwehr», wischte die Staatsanwältin indes Argumente vom Tisch, der Angeklagte habe sich nur verteidigen wollen.

Vor Gericht kam auch einer der Türsteher des Nachtlokals zu Wort. Er gab zu, dass es in letzter Zeit viel Ärger dort gegeben habe, weswegen die «Disco» auch nicht mehr so lange in der Nacht geöffnet sein darf. Die Frage des Gerichts, ob denn zur Vorbeugung von Schlägereien eine Video-Überwachung eingerichtet worden sei, musste der Türsteher allerdings verneinen.

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