Bilanz
Blitz, Donner, Hagel - wer haftet für Schäden?

So oft wie im zu Ende gehende Sommer hat es schon lange nicht mehr geblitzt, gedonnert und gehagelt.

Kaum eine Woche verging, in dem nicht aus Teilen des Allgäus schwere Schäden durch Überflutungen, Sturm und Hagelschlag gemeldet wurden. Zuletzt wütete am vorletzten Wochenende ein schweren Unwetter über Teilen des Unterallgäus und richtete schwere Schäden an. Wir sprachen mit Experten über die Unwetterhäufung und Aspekte der Schadensregulierung.

War 2011 ein ausgesprochen Unwettersommer?

Es habe mehr schwere Unwetter als im langjährigen Durchschnitt gegeben, sagt Christian Freuer vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Aber: << So etwas gibt es immer wieder, erinnern wir uns beispielsweise an das Jahr 2004 >>. Aber auch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts seien ausgesprochene Unwettersommer vorgekommen.

Haben die Unwetterhäufungen mit dem Klimawandel zu tun?

Nein, sagt der DWD - dafür gebe es keine Belege - trotz aller anderslautenden Nachrichten. Auch seien die Gewitter nicht heftiger als früher. << Aber durch immer mehr Bebauung in problematischen Gebieten und mehr Technik haben wir eine größere Schadenssumme >>, sagt Meteorologe Freuer.

Muss ein Hausbesitzer zahlen, wenn die örtliche Feuerwehr anrücken muss, um einen voll gelaufenen Keller auszupumpen?

Ganz generell könnten Kommunen eine entsprechende Satzung erlassen, sagt Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag. Je nach Arbeitsstunde könne dann abgerechnet werden. Aber: Bei einem größeren Unwetter würde eine Kommune aber die ohnehin schwer getroffenen Bürger wohl nicht zur Kasse bitten. Darüber zu entscheiden sei im Zweifelsfall Sache des Bürgermeisters und Gemeinderats.

Was ist, wenn nur wenige Keller bei starkem Regen volllaufen?

Dann könne es durchaus sein, dass die Leistungen der Feuerwehr in Rechnung gestellt werden, sagt Renate Porkert, stellvertretende Leiterin vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz in Kempten. Beispielsweise, wenn wegen eines defekten Rückschlagventils bei starkem Regen Wasser aus der Kanalisation in den Keller gelangt. Berechnet werde ein Feuerwehreinsatz << je nach Aufwand >>.

Wieviel kostet beispielsweise das Auspumpen eines Einfamilienhaus-Kellers durch die Feuerwehr?

Laut Bayerischem Gemeindetag können beispielsweise für einen zweistündigen Einsatz rund 150 bis 200 Euro fällig werden. Das aber sei nur ein grober Anhalt.

Welche Versicherung zahlt für Wasserschäden infolge Überschwemmungen nach Unwettern?

Die Elementarschadensversicherung sei hierfür zuständig, sagt Andrea Gschwend von der gleichnamigen Versicherungsagentur im Oberallgäuer Sulzberg. Das Problem: Längst nicht alle Immobilienbesitzer sind gegen solche Elementarschäden versichert. So berichtet die Versicherungskammer Bayern, von den drei Millionen Kunden mit einer Gebäudeversicherung hätten nur rund 100000 auch einen zusätzlichen Schutz vor Überschwemmungsschäden mit eingeschlossen.

Wer zahlt für Hagelschäden an Autos?

Zuständig ist laut Gschwend die Fahrzeugteilversicherung - ein Zusatz zur Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung (Teilkasko). Nach regional ja immer stark eingegrenzten Hagel-Unwettergebieten finden oft Sammel-Gutachtertermine für betroffene Fahrzeughalter statt.

Wie lange dauert es, bis Versicherungen einen Schaden regulieren?

Da haben betroffene Bürger in der Region in den vergangenen Monaten ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Kleinere Schäden bis etwa 2000 oder 3000 Euro können oft von größeren Versicherungsagenturen umgehend reguliert werden. Generell gilt: Je höher der Schaden, desto länger dauert die Regulierung. Wenn Gutachter eingeschaltet werden, verlängert dies das Verfahren.

Und jetzt ist die Sommerunwettersaison 2011 beendet?

Erfahrungsgemäß ja, sagt Meteorologe Feuer. Rein statistisch gesehen ereignen sich im Juni und Juli die meisten Gewitter.

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