Blick in die Kuppel und in den Geldbeutel

Marktoberdorf | af | 'Halt, halt', ruft Architekt Christian Eger und stoppt den Gerüstabbau. In einem Bogen über dem Altarraum von St. Martin befindet sich noch eine Stelle, die übermalt werden muss. Ebenso haben in luftiger Höhe zwei Anker weiße Flecken hinterlassen, die ausgebessert werden müssen. Schließlich soll das Wahrzeichen Marktoberdorfs im September ohne Fehlstellen eingeweiht werden.

Unterdessen machen Kirchenpfleger Josef Hönle und Stadtpfarrer Wolfgang Schilling Kassensturz. Von den 2,7 Millionen Euro Gesamtkosten muss die Kirchengemeinde 500 000 Euro aufbringen. Im Moment klaffe noch eine Finanzierungslücke von etwa 150 000 Euro. Sie soll durch weitere Spenden geschlossen werden. Eine Möglichkeit sei, überzählige Orgelpfeifen zu verkaufen, schlägt Hönle vor, greift zu einer und bläst hinein.

Die Klangkörper sind nach der Restaurierung der Orgel übrig. Denn das gute Stück soll wieder in den Zustand zurückgebaut werden, wie ihn Orgelbaumeister Hindelang aus Ebenhofen im Jahr 1941 - also während des Krieges, was sogar Experten staunen lässt - geschaffen hatte. Im Laufe der Jahre sei sie ergänzt worden, was dann auch klangliche Veränderungen zur Folge hatte, erklärt Eger.

Derweil arbeiten die Gerüstbauer weiter und turnen in luftiger Höhe herum wie Hochseilartisten im Zirkus. Nach und nach gibt es einen freien Blick nach oben in die Kuppel. Auch sie erstrahlt in neuem Glanz und lässt einen andächtig staunen.

Auf dem Boden der Tatsachen geht es in der Nebensakristei weiter. Eigentlich sollen unter den Holzböden nur die Elektrokabel neu verlegt werden. Doch stellte sich heraus, dass die hölzernen Lager damals auf dem nackten Boden aufgelegt worden waren. Sie zogen Feuchtigkeit, Fäulnis zerstörte sie und die Böden. Auch das seien wieder unvorhergesehen zusätzliche Kosten, stöhnt Hönle. Aber einig ist sich das Trio trotzdem: Wenn die Kirche schon saniert wird, dann richtig.

Nicht zum Nulltarif

Dieser Auffassung war auch das Landesamt für Denkmalpflege und stellte entsprechende Forderungen, die es nicht zum Nulltarif gibt. Doch bei jedem der Bauabschnitte sei ein finanzieller Puffer eingeplant. Allerdings sei der nun aufgebraucht.

Ein letztes Mal besteigt Pfarrer Schilling das Gerüst und will dem großen Kreuz ganz nah sein. 'Es wirkt doch jetzt wieder ganz anders. Die ganze Kirche hat wieder ein schlüssiges Gesamtkonzept. Es passt wieder alles zusammen', freut er sich schon auf den ersten Gottesdienst nach der Renovierung. Den wird er mit dem Augsburger Bischof Walter Mixa am 28. September feiern.

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