Blauzungenkrankheit: Bald auch im Allgäu eine Gefahr?

Klimawandel als Begünstiger von Tierseuche Allgäu (rio). Bringt der Klimawandel die 'Blauzungenkrankheit' in Allgäuer Kuhställe und Schafherden? 'Bis jetzt hat es noch keine Fälle in unserer Region gegeben', sagt Dr. Ludwig Singer vom Veterinäramt in Memmingen. Aber: In Nordbayern seien schon einzelne Tiere erkrankt und das Land Tirol trifft bereits Vorkehrungen, um einen Ausbruch der Tierseuche zu verhindern.

Die Blauzungenkrankheit, die Kühe, Schafe und Ziegen befällt, wird durch bestimmte Stechmücken übertragen. Bisher waren die so genannten Culicoides-Mücken vor allem in Südeuropa heimisch, aber durch die Klimaerwärmung zeigt sich seit einiger Zeit die Tendenz, dass diese Insekten auch in unsere Breitengrade vordringen. 'Es ist gut möglich, dass die Mücken auch zu uns hoch kommen', bestätigt Singer. Er hält es für denkbar, dass die Tierseuche in Zukunft auch im Allgäu zum Problem werden könnte, betont aber, dass 'das im Moment noch nicht der Fall' sei. In Europa gab es im vergangenen Jahr 2047 Fälle von Blauzungenkrankheit, 650 davon in Deutschland, Belgien, Holland und Frankreich. In Österreich werden bereits vorsorglich Mückenfallen aufgestellt. Die Welt-Tiergesundheitsorganisation hat die rasche Verbreitung der Seuche als 'ernstzunehmend' eingestuft.

Gefährlich ist die Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird, vor allem für Schafe. Sie äußert sich unter anderem durch sehr hohes Fieber und Blutungen und Ödeme im Maulbereich, insbesondere an der Zunge. Während Schafe die Infektion oft nicht überleben, sind Kühe weniger stark betroffen. Hier sei das Problem eher ein wirtschaftliches, erklärt Dr. Singer: 'Es kann sein, dass eine Kuh zwar überlebt, aber dass die Milch weg bleibt.'

Für Menschen ungefährlich

Für den Menschen ist die Blauzungenkrankheit ungefährlich. Infizierte Tiere können sich nicht gegenseitig anstecken - Überträger sind ausschließlich Insekten, die das Virus in sich tragen. Gegen die Mücken gibt es wirksame Substanzen, die - ähnlich wie Flohmittel - ins Fell der Tiere eingerieben werden. In Deutschland unterliegt die Krankheit der Anzeigepflicht. Rund um einen betroffenen Hof muss eine Beobachtungszone eingerichtet werden. Bis zum Sommer 2006 hatte es in Deutschland noch keinen einzigen Fall von Blauzungenkrankheit gegeben.

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