Immenstadt-Bühl
Blaue Strümpfe als Markenzeichen

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Im benachbarten Städtle war die «Bühler Blechmusik» offensichtlich wohlgelitten. Denn im Gasthof «Goldener Adler» spielten die wackeren Dorfmusikanten zum wiederholten Male auf - im Jahre 1874. Danach hat sich die beliebte Kapelle wohl irgendwann aufgelöst, denn aus den Annalen ist sie seitdem verschwunden. Aber genau 60 Jahre später wurde die Bühler Musiktradition ganz offiziell fortgesetzt: Am 1. Mai 1934 hatte die neu gegründete Musikkapelle ihren ersten Auftritt in der Öffentlichkeit. Den 75. Geburtstag feiern die Musiker mit einem dreitägigen Fest vom 11. bis zum 13. September.

Ob nun der aufblühende Fremdenverkehr oder der Veteranenverein mit notorisch knapper Kasse zur Gründung der Formation beigetragen haben, ist heute nicht mehr eindeutig festzustellen. Tatsache ist aber, dass der Veteranen- und Kriegerverein Bühl auf einer außerordentlichen Generalversammlung im Dezember 1933 beschloss, einer im Entstehen begriffenen Kapelle ein zinsloses Darlehen in Höhe von 100 Reichsmark zu gewähren - das dann durch Spielen «abgedient» werden sollte. So ganz selbstlos war der Kredit nicht. Denn schon acht Jahre zuvor musste der Verein Feuerwehr und Gemeinde um Spenden bitten, damit eine auswärtige Musikkapelle zum alljährlichen Jahresgottesdienst für die Gefallenen engagiert werden konnte. Und 1932 beschwerten sich gar einige Mitglieder über die teure Musik: Das Geld sollte doch lieber in Bier und Wurst für die Vereinsmitglieder investiert werden.

Der Bühler Gemeinderat gewährte der künftigen Kapelle ebenfalls noch im Dezember 33 einen Zuschuss in Höhe von 500 Reichsmark. Da waren die Instrumente - von der Flöte bis zur Klarinette - schon gekauft, für stolze 800 Reichsmark. Den Rest mussten die künftigen Musici selber tragen. Ein gewisser August Endres aus Sigishofen, offenbar musikalisch gebildet, unterrichtete die 15 Landwirte und Dörfler und übernahm auch die musikalische Leitung der Kapelle. Hauptlehrer Anton Link von der Schule in Bühl hatte die Aufgabe, die Musikschüler die Noten zu lehren.

Fortan spielte die Kapelle zu Beerdigungen, zu Geburtstagen, im Jahre 1936 erstmals zum Bühler Seefest und natürlich zu den Veranstaltungen des Veteranenvereins. Nach einer kriegsbedingten Zwangspause trat die Kapelle 1948 bei einer Tanzveranstaltung im Gasthof «Strauß» vermutlich erstmals nach dem Krieg wieder öffentlich auf. Leiter war Josef Bauer, der damit eine Dirigentendynastie begründen sollte: Nach 25 Jahren übergab er 1973 den Stab an Sohn Helmut, der diesen wiederum vor zwei Jahren an die Tochter Martina Bechteler weiterreichte.

Im Jahre 1955 sorgte der damalige Vorstand Toni Milz für die Einkleidung der Kapelle - die blauen Jacken und Strümpfe sind seither das «Markenzeichen» der Bühler Musiker. Als 1966 seine Tochter Liselotte das erste weibliche Mitglied der Formation wurde, galt die Musikkapelle Bühl als Vorreiter.

1971 fand das erste Strandkonzert statt, drei Jahre später erhielten die Musiker ein ehemaliges Klassenzimmer in der alten Bühler Schule als Probenraum. 1993 konnten sie dann ein Mehrzweckgebäude auf dem Seehofgelände beziehen. 1997 wurde das erste Frühjahrskonzert im Hofgarten gespielt, ein Jahrzehnt später auf Initiative des ersten Vorsitzenden Christian Mohr ein Förderverein für die Jugendausbildung gegründet. Heute zählt die Musikkapelle 64 aktive Mitglieder, 33 junge Leute befinden sich in der Ausbildung.

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