Konzert
Blasmusik im Höllentempo

Vor dem Fernseher daheim würde auf jeden Fall weniger passieren als in der Big Box in Kempten bei fünf spielwütigen Oberbayern. So unaufgeregt lässig antwortete Oliver Wrage, der Bassist von «La Brass Banda», kurz vor dem Auftritt bei einem Interview unserer Zeitung auf die Frage, warum man das Konzert nicht versäumen sollte. Nach einem mitreißenden Abend vor mehr als 3000 Menschen in der Big Box steht fest: Das war wirklich sauber untertrieben.

Die Spielregeln für ein Brass-Banda-Konzert verkündet der charismatische Frontmann Stefan Dettl gleich zu Beginn im breitesten Dialekt: «Mir blosn, wos des Zeig hält, und ihr kennts machen, was wollts.» Und schon zünden die fünf Musiker (drei Bläser, E-Bass, Schlagzeug) ein atemberaubendes musikalisches Feuerwerk. Alpen Jazz Techno, Balkan Funk Brass, bayerischer Gypsy Brass, Hardcore Blasmusik im Höllentempo - die Schubladen sind schnell offen und reichen doch nicht aus, um die Musik von La Brass Banda treffend zu beschreiben.

Die Musiker aus dem Chiemgau mischen ungeniert sämtliche Stilrichtungen, musizieren virtuos mit sehr viel Gespür für rasante Rhythmik.

Und wenn dann Oliver Wrage seinen E-Bass im Technorhythmus wummern lässt und Andreas Hofmeir an der Tuba in irrem Tempo dazu improvisiert, ist das Ergebnis einfach unwiderstehlich. «Hoffentlich zerreißt sich keiner die Haxn» meint ein Besucher lachend mit Blick auf das wild hüpfende Publikum.

Tatsächlich hält es nach kürzester Zeit keinen mehr richtig auf den Sitzen. «Das ist ein Wahnsinns-Erlebnis», schwärmt eine begeisterte Mittvierzigerin klatschend auf der Tribüne, während unten vor der Bühne die jugendlichen Besucher im Pogotanzstil abfeiern. Insbesondere Stefan Dettl (Trompete und Gesang) scheint ein energetisches Naturphänomen zu sein. Unermüdlich wirbelt er über die Bühne, singt, hüpft und treibt seine Mitmusiker zu Höchstleistungen an.

Zwar sind die Texte live nur selten verständlich, doch ob Stefan Dettl jetzt stimmakrobatisch im Scat-Gesang improvisiert oder tatsächlich bayerisch singt: Wen juckts? Keinen!

Mal animiert er die Zuschauer zum kollektiven «Joe-Cocker-fünf-Millimeter-Sprung», mal instruiert er den jodelnden Publikumschor, mal springt er von der Bühne und bahnt sich mit seiner Band einen Weg durch die Massen. «Der war früher garantiert ein hyperaktives Kind», sagt ein Zuschauer witzelnd. Schön, wenn im Erwachsenenalter so etwas dabei herauskommt.

 

Blas, Junge, blas! Brass-Banda-Trompeter Stefan Dettl (links) feuert den Tubisten Andreas Hofmeir an. Foto: Diemand

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