Dorfgespräch
Blaichacher ärgern sich über Beitrag von Spiegel TV

'Krieg, Vertreibung und Migranten kennt man im bayerischen Blaichach nur aus den Medien.' Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Spiegel TV über die Asylbewerber-Unterkunft in der Robert-Bosch-Straße, den kürzlich der Fernsehsender RTL ausstrahlte.

Das Thema ist Dorfgespräch und viele Blaichacher regen sich darüber auf: "Wir waren über den Bericht regelrecht erschüttert", sagt Sonia Palermo, die im Namen der Hausgemeinschaft einen Beschwerdebrief an die Fernsehproduktionsfirma geschickt hat. Darin fordert sie, den Beitrag zu korrigieren - zumal darin "viele Tatsachen völlig verdreht dargestellt wurden". "Wir sehen keinen Grund, etwas richtigzustellen", so Redaktionsleiter Thomas Heise auf Nachfrage der Heimatzeitung.

Aber erst mal zurück zum Eingangssatz: "Ein paar unserer Einwohner waren Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg - hier nun diese pauschale Aussage zu treffen, finden wir der Situation wohl nicht ganz angemessen", beklagt Palermo. Das sei auch bei der Informationsveranstaltung in der Mehrzweckhalle erwähnt worden, wo Reporter von Spiegel TV dabei waren. Ihnen habe man zudem mitgeteilt, dass im Haus bereits zehn Migrantenfamilien leben, die sich ohne Probleme integrieren konnten. Daher sei das Resümee des Beitrags am Ende ("Hört man derartigen Alltagsrassismus, wünscht man den Migranten vor allem eins: dass ihnen Blaichach erspart bleibt.") eine "absolute Unverschämtheit und Beleidigung".

Darüber hinaus seien aus langen Interviews kurze Sätze herausgeschnitten und in falsche Zusammenhänge gestellt worden, kritisiert Palermo. Überleitungen, wie "Eine differenzierte Weltsicht ist hier nicht sehr verbreitet", würden alle Bewohner in den gleichen Topf stecken wie einzelne, die sich polemisch geäußert hätten.

Aber was sagt Spiegel TV zu den Vorwürfen? "Wir haben in unserem Beitrag den Streit in der Gemeinde um die Aufnahme der Asylbewerber so dargestellt, wie wir ihn erlebt und gefilmt haben", antwortet Redaktionsleiter Heise. Und: "Die Interviewpassagen, die wir sendeten, haben wir uns ja nicht ausgedacht." Auch die Szenen bei der Versammlung würden das Stimmungsbild in der Gemeinde "gut wiedergeben". Heise: "Selbst die offenbar verfehlte Informationspolitik des Bürgermeisters kam im Beitrag vor."

Unterstützerkreis blickt nach vorn

Dass in dem "ungerechten Bericht" der Unterstützerkreis mit keinem Wort erwähnt wird, findet Pfarrerin Gabriele Bleher schade: "In dem Beitrag wurden Blaichacher, insbesondere die Hausbewohner, pauschal verurteilt." Genauso ungerecht sei es freilich, Asylbewerber als Verbrecher darzustellen oder zwölf Menschen in so einer engen Wohnung unterbringen zu wollen. Viele Blaichacher, die die Flüchtlinge unterstützen, wollten sich aber nicht mehr über den Bericht ärgern, sondern nach vorne schauen: "Und durch ihr Handeln zeigen, dass Blaichach ganz anders ist, als der Ort im Fernsehen dargestellt wurde."

Der Unterstützerkreis trifft sich wieder am Montag, 24. März, um 19.30 Uhr in der Stephanuskirche. Kommen kann, wer helfen oder sich einfach nur informieren will.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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