Altusried
Bizarrer Kult

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«Aufi oder nit aufi», lautet die an Shakespeare angelehnte Frage in «Der Watzmann ruft». Rund 2500 Zuschauer folgten dem Ruf auf die Altusrieder Freilichtbühne, um vor alpenländischer Kulisse über dumpfen Bauernschwank und einfältige Volksmusik zu lachen. Klischees dieser Art ziehen Wolfgang Ambros und Co. in ihrem bizarren Rock-Musiktheater wieder einmal kräftig durch den Kuhfladen.

Das Grundgerüst vom 1974er LP-Original bleibt auch in Ambros vierter Bühnen-Auflage bestehen. «Hollaröhdulliöh» jodelt es aus den Zuschauer-Kehlen. Die Knechte (Joesi Prokopetz und Christoph Fälbl, auch als Bauer und Bua) stechen fleißig den Misthaufen um, und eine gut gepolsterte Gailtalerin (Stephan Lehmann) spart nicht mit eindeutigen Zweideutigkeiten.

Um die bekannten Szenen herum hat der 57-jährige Ambros einige neue Lieder und Einfälle gebaut. Da kommt der alte Knecht von der Rave-Party, beim Bergbauern klingelt das Handy. Was witzig gemeint ist, kommt bemüht rüber und nimmt dem «Watzmann» ein Stück vom ursprünglichen Charme. Doch die Ironie bleibt allgegenwärtig. Nichts und niemand nehmen die Darsteller ernst, schon gar nicht sich selbst.

So «entdeckt» die Gailtalerin den imaginären Kommissar Kluftinger im Publikum, fragt ihn: «Schauen Sie sich heute auch dieses Laienspiel an?» Schaurig ist der Altusrieder Watzmann im doppelten Sinne: Erst wabern um den grell beleuchteten Berg die Bühnen-Nebelschwaden, dann öffnet auch noch der Himmel seine Schleusen und verstärkt die bedrohliche Dramatik. Ambros lobt das «wetterfeste Publikum», das außerhalb der geschützten Tribünenplätze den prasselnden Regenschauern trotzt.

Und wieder wird es nichts mit einem Happy End. Im Gewitter kraxelt der Bua «aufi», wieder haut es ihn in die Schlucht. Wieder siegt die Natur über den Menschen. Es hat etwas Zeitloses. Oft kopiert ist der «Watzmann» ein Stück, das das arg strapazierte Prädikat Kult aber tatsächlich verdient.

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