Oberallgäu
«Bischof zu sein, ist heute weniger eine Ehre als Last»

Für die einen kam es überraschend - andere hatten nach der anhaltenden Diskussion mit dem Rücktrittsgesuch von Bischof Walter Mixa damit gerechnet. Auch im Oberallgäu wird die Entscheidung des Oberhirten kontrovers diskutiert.

Dekan Toni Zech aus Immenstadt-Stein war überrascht über Mixas Rücktrittsgesuch - für die Diözese ist dies seiner Einschätzung nach aber der richtige Schritt gewesen. Wäre Mixa im Amt geblieben, so wäre zwangsläufig ein Makel an ihm und der Diözese haften geblieben.

Zech: «Er wäre nicht mehr der Alte gewesen für die Gesellschaft.» Kritik übt Zech an den Medien: Aufklärung sei richtig und wichtig - dadurch, dass alles immer wieder wiederholt werde, werde es aber weder besser noch schlechter. Zech hofft, dass mit Mixas Rücktritt nun ein Neuanfang in der Diözese ermöglicht wird. Er betont aber: Es gebe auch viele Gläubige, die Mixas Rücktritt bedauerten.

So etwa der Balderschwanger Pfarrer Dr. Richard Kocher. Seine Hauptkritik: Man könne nicht die Lebensleistung eines Mannes durchstreichen aufgrund eines Fehlers. Kocher: «Die Frage ist: Wie gehen wir als Christen mit dem Thema Schuld um?» Vergebung sollte man nicht nur predigen, sondern praktizieren. Kocher betont: Er habe auch den Rücktritt der Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche Deutschlands, Margot Käßmann, bedauert. Kocher: «Es ist schlimm, wie wir mit Schuld und Versagen umgehen und keine neue Chance geben.» In der Diözese sei jetzt ein Neuanfang nötig, aber Kocher betont: «Ich möchte den Heiligen sehen, der jetzt allen gerecht wird. Die Meinungen in der Kirche sind extrem konträr, das wird sehr schwierig.» Bischof zu sein, sei heute weniger eine Ehre als eine Last.

Die Wertacher Pfarrgemeinderätin Barbara Ruf betont: Bischof Mixa habe ganz am Anfang mit seinem «Nein, ich nicht» den entscheidenden Fehler gemacht - besser hätte er gleich zu den «Watschn» stehen sollen. So wie der Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger, der zugegeben hatte, Ohrfeigen verteilt zu haben. «Das war eine sehr gute, ehrliche Reaktion», so Ruf. Dadurch aber, dass Mixa die Ohrfeigen zunächst geleugnet habe, habe sich das Thema hochgeschaukelt, bis sein Rücktritt unvermeidbar war. Ob in der Diözese nun ein Neuanfang möglich ist, hängt laut der Pfarrgemeinderätin von der Person ab, die nachrückt. Die Beziehung zwischen Bischof und Volk sei davon immens abhängig. Ruf betont aber auch: «Die Affäre hat keine Auswirkung auf meinen persönlichen Glaubensweg.»

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