Westallgäu
«Bischof hätte früher zu Fehlern stehen sollen»

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Vor allem mit Erleichterung reagieren Katholiken im ganzen Bistum Augsburg auf den Rücktritt von Bischof Walter Mixa. Auch Westallgäuer Priester und Pfarrgemeinderatsmitglieder begrüßen in der Mehrheit diesen Schritt ihres in die öffentliche Kritik geratenen Oberhirten.

Vor allem den Verlust an Glaubwürdigkeit führen sie als Grund an für ihre Einschätzung, dass Mixa keine andere Wahl blieb.

Unter den von uns Befragten sagt allein Thomas Maria Rimmel, Direktor der Gebetsstätte Wigratzbad, er habe Mixas Rücktrittsgesuch nicht für unausweichlich gehalten. Rimmel ist Mitglied im Priesterrat der Diözese.

Cornelia Benk, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Lindenberg: «Der Rücktritt ist die einzig richtige Entscheidung. Der Druck der Öffentlichkeit und der Bischöfe ist so groß geworden, dass ihm keine andere Wahl blieb. Bischof Mixa hätte früher zu seinen Fehlern stehen sollen. So wurde er unglaubwürdig im Amt. Ich war zweimal mit ihm zusammen. Ich habe von daher sehr positive Erfahrungen. Er zeigte sich volksnah und offen.»

Thomas Maria Rimmel, Direktor der Gebetsstätte Wigratzbad und Mitglied des Priesterrats: «Ich bedauere das Rücktrittsgesuch von Bischof Mixa sehr. Ich habe ihn fünf Jahre lang als echten Seelsorger erlebt, der hinter seinen Priestern stand. Er hat viel Gutes bewirkt: Bei den Seelsorgern Hoffnung gestiftet, jungen Männern, die Priester werden wollen, Mut gemacht. Unter den Gläubigen hat er meiner Meinung nach eine hohe Achtung genossen. Auch sein Ruf als Provokateur hat unter den Gläubigen eher Dankbarkeit ausgelöst. Die Diözese verliert durch Bischof Mixa einen offenen Hirten. Zu den Vorwürfen kann ich nichts sagen. Ich glaube aber nicht, dass das Rücktrittsgesuch unausweichlich war.»

Pater Udo Baumüller vom Bildungshaus der Comboni-Missionare in Mellatz: «Es ist immer eine Tragik einen solchen Hirten zu haben. Es geht einfach nicht, wenn man nicht aufrichtig ist. Das Rücktrittsgesuch von Bischof Mixa ist die logische Konsequenz. Es ist der richtige Schritt. Sonst ist man nicht mehr glaubwürdig als katholische Kirche. Bischof Mixa hätte sich nicht mehr ungetrübt in den Pfarreien sehen lassen können.»

Andrea Sinz, ehemalige Pfarrgemeinderätin aus Weiler: «Meiner Meinung nach hatte Bischof Walter Mixa gar keine andere Wahl als zurückzutreten. Ein Mann in so einer Position muss genau überlegen, was er tut und sagt. Dass er Kinder Ohrfeigen gegeben hat, da stehe ich dahinter. Das waren die damaligen Erziehungsmaßnahmen. Das ist meiner Meinung nach nicht das Problem. Aber er hat bewusst nicht die Wahrheit gesagt, das geht einfach nicht.»

Pfarrer Martin Weber von der Pfarreiengemeinschaft Opfenbach/Wohmbrechts/Maria-Thann: «Bei etwas sehr Schmerzlichem ist es besser nicht zu viel zu sagen. Ich habe schon am Karfreitag in meiner Einführung über den Satz der Passion nachgedacht: Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Nach all den Missbrauchsfällen und Vertuschungsvorwürfen wäre es besonders tragisch, wenn ein Bischof nicht bei der Wahrheit bliebe. Was und wem soll man dann eigentlich noch glauben? Es hat mich dann schon gewundert, wie lange sich das Ganze hingezogen hat, denn die Mallersdorfer Schwestern gaben den Aussagen des Bischofs nicht gerade Rückendeckung. Die Schäden sind jetzt umso größer. Ich emfpnde es jetzt aber auch als meine Pflicht für Bischof Mixa zu beten, denn es wird sicherlich schwer für ihn, das alles zu verkraften.»

Brigitte Schöndorfer, Pfarrgemeinderätin aus Scheidegg: «Ich habe damit gerechnet, dass Bischof Mixa zurücktritt. Die Art, wie er immer nur so viel gesagt hat wie ihm bewiesen wurde, ist schon anzuzweifeln. Dabei möchte ich gar nicht über die Schwere seines Handelns urteilen - dazu weiß ich zu wenig. Aber es war einfach nicht richtig, dass er erst alles abgestritten hat.»

Franz Xaver Schmid, Pfarrer von Heimenkirch und Prodekan des Dekanats Lindau: «Es ist bedauerlich und eine Katastrophe für die Kirche, wenn ein Bishof den Rücktritt erklären muss. Doch so wie sich das Ganze entwickelt hat, war dieser Schritt unausweichlich und notwendig. Nur so kann jetzt eine Basis für einen Neuanfang geschaffen werden. Bischof Mixa hätte von Anfang an offener reden sollen, dann hätte er sich den meiner Meinung nach unzutreffenden Vorwurf der Lüge erspart.

Andererseits ist der Vorwurf einer Hetzkampagne der Medien zu einfach und als pauschale Aussage unzutreffend.» (feß, ins, ado)

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