Allgäu
Bis vor 40 Jahren gab es noch Mehl

«Mühlen und Mühlbäche gab es aller Orten, wo genügend Wassermenge und Gefälle vorhanden waren. Mittlerweile sind sie aus dem Blickfeld geraten, die verschiedenen Antriebstechniken wurden aufgegeben, die Mühlbäche verrohrt», teilt der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke mit. Das trifft in etwa auch für das Mühlbachtal zu, wo es heuer in Friesenried, Eggenthal und Baisweil auch keine Getreidemühlen mehr gibt.

«Ich habe in meine Jugend noch zur Salenwanger Mühle unser Getreide hingefahren. Dafür bekam ich Mehl geliefert. Damit ging ich dann zu unserem Bäcker, der damit Brot backte», erinnert sich Friesenrieds Bürgermeister Wolfgang Gerum. Die Mühle an der Salach gab es bis in die 1960er Jahre und wurde dann wie viele andere zu dieser Zeit stillgelegt. Gleiches widerfuhr der Mühle in der Ortsmitte von Blöcktach, die am Mühlbach liegt. 2002 wurde sie umgebaut, wobei ein Großteil der ursprünglichen Einrichtung entfernt wurde. «Sie wurde bereits 1460 erwähnt und war einst Burgmühle der Herren von Schwarzenburg. Danach gehörte sie zum Kloster Irsee. Von 1719 bis 1803 war sie stiftkemptisches Erblehen», so Georg Abröll, Mühlenexperte des Bezirks. Der Bau war eine Mahlmühle mit einem oberschlächtigen Mühlrad, das Wasser fiel also von oben auf das Wasserrad.

Der sandsteinerne Mühlstein mahlte vornehmlich Weizen und Roggen in drei Mahlgängen, nämlich Weiß-, Gerb- und Schrotgang, berichtet Abröll. Für eine Getreidemühle war das nicht unüblich, schließlich gab es eine ganze Bandbreite von Mühlen, die allerlei Produkte dort herstellten (siehe Infokasten).

Talaufwärts schließt sich die Gemeinde Eggenthal an. Rechter Hand kommt zunächst die Schleifmühle, die dem gleichnamigen Ortsteil ihren Namen gab. Im Hauptort selbst gibt es am Röhrwanger Mühlenbach eine alte Säge - ein wasserbetriebenes Werk, erläutert Bürgermeister Harald Polzer. «Alte Mühlen sind mir aber nicht mehr bekannt», meint er, was Abröll bestätigt.

In Baisweil gab es mehrere Mühlen: Dort steht am Mühlbach ein rund 250 Jahre altes Gebäude mit 40 rundbögigen alten Fenstern der Familie Echteler, indem bis etwa 1950 eine Getreidemühle war. Hansjörg Echteler übernahm sie und den Hof von seinem Vater und ließ das alte Mahlwerk ausbauen. Oberhalb davon liegt noch die Sägemühle von Heinz Abholz, der dort noch Strom erzeugt. Kurioserweise hatte auch der Ortsteil Lauchdorf zwei Mühlen, obwohl dort kein nennenswerter Bach fließt. «Gespeist wurden sie durch die zahlreichen Quellen längs des Leitenberges», schreibt die Chronistin Klara Leuterer. Die erste Mühle entstand wohl im Hochmittelalter, die zweite ging aus Streitigkeiten zwischen dem Kloster St. Augustin in Mindelheim und dem in Irsee hervor, das eine eigene Mühle wollte, als es 1467 die Herrschaft über Lauchdorf bekam.

In den Mühlen gab es 1846 sechs Mahl-, zwei Schneid- und zehn Ölgänge. Rund 60 Jahre später wurden in zwei Mahlgängen «Scheamehl» für Weißbrot und Kuchen sowie «Naumehl» für Mehlmus oder Suppen hergestellt, erzählt Leuterer. 1975 lief auch dort der letzte Mahlgang. Heuer gibt es noch eine Säge: «Nur noch die beiden Mühlweiher erinnern an die frühere Eigenschaft der Gebäude», so Leuterer.

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