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Ziegen statt Kühe
Bio-Ziegenhof in Kempten: vermutlich mehr Umsatz wegen Corona und Tönnies

Auf dem Bio-Hof sind momentan etwa 115 Ziegen.
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  • Auf dem Bio-Hof sind momentan etwa 115 Ziegen.
  • Foto: Eileen Schwaninger
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Sie wiegen zwischen 60 und 70 Kilogramm und werden zwischen sieben und zehn Jahre alt: Ziegen. Von ihnen hat der 28-jährige Molkereimeister Johannes Egger in Kempten rund 115 Stück im Stall stehen. 2016 hat er angefangen, mit Ziegen statt Kühen zu wirtschaften. Warum? "Damals wäre die Milchviehhaltung mit hohen Investitionen verbunden", sagt der junge Familienvater. Der Betrieb in der Größe, wie er damals war, sei mit Ziegen wirtschaftlicher zu führen. "Außerdem war es damals eine schlechte Phase, da der Milchpreis schwierig war." Seit der Umstellung auf Ziegen habe sich nur wenig verändert: Ein paar Ziegen kamen im Laufe der Zeit hinzu. Außerdem hat Egger in eine Arbeitserleichterung investiert. Im Melkstand können zwölf Ziegen gemolken werden.

Ziegenmilch ähnelt Kuhmilch 

"Wenn die Ziegenmilch frisch gemolken wurde und anständig behandelt wird, schmeckt sie im Grunde wie fettreduzierte Kuhmilch", sagt Egger. Der "bockende Geschmack" kommt, wenn die Milch Kontakt zu den falschen Oberflächen hat, hocherhitzt oder lang gelagert wird, erklärt er.

Demnach wird der Ziegenmilch eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt, vor allem bei Hautkrankheiten. Inwiefern das aber beweisbar ist, bleibt offen. Gesünder als Kuhmilch sei die Ziegenmilch jedenfalls nicht, meint der 28-Jährige gegenüber all-in.de. "Man muss es einfach ausprobieren."

Ziegenfrischkäse und Cambembert aus eigener Herstellung

Johannes Egger stellt auf seinem Hof selbst Ziegenmilch, Ziegenfrischkäse (Natur und Kräuter) und Camembert her. Im Schnitt gibt eine Ziege auf seinem Hof drei Liter Milch am Tag. "Für ein Kilo Hartkäse benötigt man etwa zehn Liter Ziegenmilch. Für ein Kilo Frischkäse braucht man rund fünf Liter Milch", sagt Egger. Den Käse produziert er in der hofeigenen Käserei. Seine Produkte verkauft der gelernte Molkereifachmann einem Einzelhändler in Kempten. Der Absatzmarkt ist "konstant und sehr zufriedenstellend", so Egger. Ein Trend zur Ziegenmilch war in den letzten Jahren nur leicht erkennbar.

Auf dem Bio-Hof sind momentan etwa 115 Ziegen.
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Wie beeinflusst Corona den Ziegenhof?

Vor allem in den ersten Wochen der Corona-Krise sei der Umsatz stark gestiegen. "Ich vermute, dass durch Corona und den Tönnies-Skandal ein Umdenken bei den Verbrauchern stattgefunden hat." Mittlerweile habe er sich allerdings wieder normalisiert. Trotzdem war heuer "ein gutes Jahr", sagt Egger. Weil auf dem Hof nur die Familie und keine externen Mitarbeiter arbeiten, habe sich die Kontaktbeschränkung auch kaum auf den Betrieb ausgewirkt. 

Die Ziege wird zur Wurst

Wenn die Ziegen nicht mehr trächtig sind oder wenig oder schlechte Milch geben, werden sie zum Schlachtbetrieb gefahren und zu Wurst verarbeitet. "Wenn eine Ziege ein nettes Tier war, frag ich den Vater, ob er sie zum Schlachter bringt. Und wenn sie mich geärgert hat, dann ist es schon in Ordnung, wenn ich sie fahre", sagt Egger und lacht. Die älteste Ziege, die den Hof verlassen hat, war 14 Jahre alt. Auch sie landete in der Wurst.  

Maßnahmen gegen den Wolf 

"Richtig Sorgen, dass ein Wolf meine Ziegen reißt, mache ich mir nicht", sagt der Molkereimeister. Der Hof in der Umgebung von Kempten sei "schon relativ weit weg von den natürlichen Lebensräumen des Wolfes". Maßnahmen gegen den Wolf zu ergreifen wäre wesentlich kostspieliger als der Verlust, wenn der Wolf mal ein oder zwei Ziegen reißen würde, erklärt Egger. 

Ziegenhof hat Bio-Siegel 

Mit der Umstellung von Kühen auf Ziegen hat die Familie Eggers sich entschieden, einen Bio-Ziegenhof zu führen. Nach den Bio-Richtlinien braucht eine Ziege 1,5 Quadratmeter Platz. Bei Eggers im Stall haben sie fast zwei Quadratmeter. "Das kommt ganz drauf an, ob die Ziegen Hörner haben oder hornlos sind." Weil er die Hörner dran lässt, schaut Johannes Egger, dass sie mehr Platz haben. "Dann gibt es keine Streitigkeiten und es ist ruhiger im Stall." 

Vor vier Jahren war all-in.de schon einmal bei Johannes Egger auf dem Ziegenhof.

Ziegenfamilie 

Eine Ziegenfamilie besteht aus einem Ziegenbock, einer Ziege und den Jungtieren, die meistens Zwillinge sind. Ein männliches Jungtier nennt sich Bockkitz und ein weibliches Geißkitz. "Eine Ziege ist mit etwa sieben Monaten trächtig", erklärt Egger. Nach rund fünf Monaten kommen dann die Jungtiere zur Welt. 

Ziegen statt Kühe: Johannes Egger (23) betreibt bei Kempten einen Bio-Ziegenhof

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