Bad Hindelang
«Bildungssystem grundlegend ändern»

Die Initiatoren des ersten Bad Hindelanger Bildungsgesprächs konnten sich wahrlich nicht über mangelndes Interesse beklagen. Im Saal des Kurhauses hatte man Schwierigkeiten, noch einen Platz an einem der Tische zu ergattern. Hauptredner war Dr. Bernhard Bueb, der ehemalige Leiter des Elite-Internats Salem. Sein Buch «Lob der Disziplin» hatte viel Aufsehen erregt. Schon der Titel hatte bei manchen Menschen Befremden ausgelöst.

In Medien wurde er als «strengster Lehrer Deutschlands» hingestellt, der den Eltern rät, ihren Kindern jede Freizeit und Freiheit zu verbieten, damit sie das Arbeiten lernen. So war die Vorstellung von einem erziehungstechischen Hardliner entstanden, der lieber die Peitsche als das Zuckerbrot verwendet. An diesem Abend in Hindelang setzte sich der brillante Redner Bueb jedoch für eine «humane» Art der Bildung ein. Neben der Vermittlung von Wissen soll nämlich auch der Charakter der Schüler in positiver Art und Weise geformt werden, sagte der Redner.

Dass Strafe laut Bueb Teil einer guten Erziehung ist, werde in den Medien gern ausgewalzt, um markige Schlagzeilen zu produzieren. Der Pädagoge: «Strafe ist nur im Notfall anzuwenden. Aber die Furcht vor Strafe ist unbedingt notwendig». Er begründete dies auch. «Wenn wir Erwachsene beim Autofahren eine Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten, erfolgt das nicht, weil wir uns um das Wohl der Fußgänger sorgen, sondern vielmehr, weil wir uns fürchten, geblitzt und somit bestraft zu werden.»

Bueb hat eine genaue Vorstellung davon, wie ein gutes Bildungssystem auszusehen hat. So ist für ihn die Einführung der Ganztagsschule unausweichlich. Doch dürfe am Nachmittag kein Unterricht stattfinden. Sondern es müssten Sport und Spiel auf dem Stundenplan stehen. So hätten die Lehrer die Gelegenheit, ihre Schüler auch von einer anderen Seite zu erleben.

Bueb: «Der Schwätzer aus der letzten Reihe kann ein wunderbarer Fußballkamerad sein. Und auch der Schüler sieht, dass der Lehrer nicht nur Noten verteilt, sondern auch ein guter Spielpartner ist».

Lehrer muss Schüler ernstnehmen

Wie der Gast bei dieser Veranstaltungs-Premiere darlegte, seien die Schüler auf diese Weise in eine feste Gemeinschaft eingebunden. Das Fehlen zwischenmenschlicher Bindungen bezeichnete Bueb nämlich als eines der Hauptprobleme für Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit, weil Anerkennung von Gleichaltrigen fehle. Aber auch der Lehrer müsse den Schüler ernstnehmen und dürfe niemals den Glauben an ihn verlieren.

Vor dem aufmerksam zuhörenden Publikum machte der Redner indes deutlich, dass viel Geld investiert und der Mut aufgebracht werden müsse, das Bildungssystem grundlegend zu verändern. Von politischer Seite werde meist das fehlende Geld als Argument gegen Änderungen vorgebracht.

Nach Buebs Rede ging der stellvertretende Landrat Anton Klotz ans Rednerpult. Wie er betonte, liege das Erziehungsproblem nicht bei den Schulen, sondern bei den Familien. Erziehungsdefizite könnten nicht durch Ganztagsschulen ausgeglichen werden. In seiner Einführungsrede zu diesem Abend hatte Bürgermeister Adalbert Martin darauf hingewiesen, dass Bildung und Erziehung schwierige Leitthemen der Gesellschaft seien.

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