Kempten
Bilder aus purem Licht erzählen von früher

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Nach 23 Stufen trifft Vergangenheit auf Gegenwart. Ein präziser Schnitt durchs Mauerwerk kennzeichnet die Stelle, an der moderne Maschinen einen neuen Zugang geschaffen haben in die Ruinen. Von drinnen hört man gedämpfte Gespräche. Es sind die Menschen, die den Steinen Stimme geben werden. Mit moderner Technik, Unmengen von Kabeln und Leuchten. Albert Miller von der Firma Elektromiller und Björn Kantereit von der fürs Medienkonzept zuständigen Agentur Jangled Nerves betrachten gerade den neuen Beamer. Er soll künftig die Bilder an die Wände des unterirdischen Schauraums Erasmuskapelle werfen. Momentan ist das Gehäuse noch weiß - damit das Gerät hinter den Mauerkronen unsichtbar für die Besucher wird, muss es erst noch schwarz umlackiert werden.

Peter Kaps und Klaus Teibert kauern direkt vor den Mauern inmitten von Klemmen und Kabeltrommeln. Die Zeit drängt. Am 18. und 19. September ist Eröffnung des im Allgäu einzigartigen Museumsprojekts unter dem St.-Mang-Platz. An diesem Morgen geht es vor allem darum, die Mauern ins rechte Licht zu rücken. Als nicht nur die Hintergrundbeleuchtung die Mauern sanft erstrahlen lässt, sondern kurz darauf auch der Beamer ein mystisch grünes Gitternetz an die Wände wirft, ist Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann zufrieden.

«Kann man Geld zurückholen?»

Die virtuelle Reise ins Kempten des Mittelalters hat ihren Preis. 2,77 Millionen Euro wird das Projekt am Ende kosten - und damit fast eine halbe Million Euro mehr als bis vor Kurzem bekannt. Im Finanzausschuss hatte Wiedemann eingeräumt, dass man die «fehlerhafte und unvollständige Kostenschätzung und -kontrolle» des Architekturbüros erst spät bemerkt habe. «Das Geld hätte man anderswo auch gut gebrauchen können», findet beispielsweise Dietmar Markmiller von den Altstadtfreunden und denkt etwa an die Reaktivierung der Burghalde. «Mich würde interessieren, ob man nicht einen Teil der Mehrkosten zurückholen kann vom Architekturbüro?» Nein, meint Tiefbauamtsleiter Wiedemann. Darauf brauche man sich keine Hoffnungen machen. Denn die Mehrkosten seien allesamt begründbar und hauptsächlich durch nach und nach aufgenommene Ideen (etwa Bau eines Kassenvorraums) entstanden.

Unterdessen wird drei Meter unter der Erde weiter eifrig gewerkelt. Bei der Arbeit schwitzen muss dennoch niemand - es ist angenehm kühl im Schauraum. «Die Entfeuchtungsanlage läuft bereits - sonst hätten wir bei dem Wetter schon Probleme», meint Wiedemann. Mit seinen rund 80 Quadratmetern ist der Schauraum in etwa so groß wie eine Dreizimmerwohnung. Während des Baus der schwarz gestrichenen Betondecke hatten Folien und Planen die steinernen Mauern geschützt. Ab dem 18. September werden auf den alten Steinen mehrmals täglich Bilder aus Licht erstrahlen.

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