Biblisches Geschehen mit viel Liebe zum Detail nachgestellt

Von Dietmar Ledel | Waalhaupten 'Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten…' - dieses Bibelwort aus dem Matthäus-Evangelium steht über dem Hochfest 'Erscheinung des Herrn', umgangssprachlich: Dreikönig. In den Kirchen sowie den häuslichen Krippen finden an diesem Tag die 'Heiligen Drei Könige' ihren Platz vor der Krippe. Tobias Hofer aus Waalhaupten hat diese Krippentradition von seinem Urgroßvater und später seinem Großvater übernommen und führt nun als Hobby die Gestaltung und Darstellung der biblischen Szenen aus dem Weihnachtsfestkreis weiter.

Sein ganzer Stolz sind die Gebäude und Figuren, die sein Urgroßvater, der Schreinermeister Josef Dörfler (ein Neffe des berühmten Priesterdichters Peter Dörfler) während des zweiten Weltkrieges gebaut und geschnitzt hat. Diese hütet er als 'wahren Schatz' im Haus seines Großvaters Albert Dörfler. Seit seinem achten Lebensjahr beteiligt er sich aktiv beim Aufbauen und Gestalten der Krippe. 'Früher hat sie der Opa allein aufgebaut', erzählt der 22-Jährige und ergänzt lachend: 'Schließlich sollte ich glauben, über Nacht hätte sie das Christkind gebracht'.

Der junge Mann hat in mühevoller Kleinarbeit den Gebäudekomplex und die Landschaft um mehrere Häuser und Türme erweitert. Aus Holz ausgesägt und mit Strukturfarbe und beleuchteten Fenstern versehen passen sich die neuen Häuser stilecht in die alten Bauwerke ein. Beim genauen Hinsehen wird es deutlich: Die Liebe zum Detail hat Hofer ganz von seinem Urgroßvater übernommen. Dieser hatte damals die Figuren nach den Vorlagen der Kirchenkrippe von Waalhaupten geschnitzt und zum Teil 'original' kopiert. Neben der heiligen Familie und den Sterndeutern finden sich in dem Bauwerk wuchtige Elefanten, Kamele und Dromedare, aber auch zarte Schafe, Wasserträgerinnen und Hirten. Eher ungewöhnlich für Krippen sind die Szenen von der 'Flucht nach Ägypten' und dem 'Kindermord in Bethlehem', in denen dem Betrachter schreiende Frauen mit blutüberströmten Kindern fast in Schauder versetzen. 'Um diese Szenen ganz in die Krippe zu stellen, muss diese bis Lichtmess stehen bleiben', ergänzt der Großvater den Enkel, der gerade dabei ist, die Sterndeuter 'auf den Weg zu bringen'.

Fast vier Tage Aufbauzeit hat er heuer gebraucht, um das Gesamtgebilde mit dem Weg 'so hinzubringen'. Während des Sommers züchtet der begeisterte Gartenfreund Aloen, 'Geldbäume', Farne, Palmen und Kakteen und setzt auch diese in seiner Krippe ein.

Der junge Mann, der auch aktiv in der Musikkapelle und der Pfarrei engagiert ist, versucht bei seinem Hobby, die heilige Schrift so zu interpretieren, wie die Menschen damals gelebt haben. 'Ich stelle mir vor, wie es Maria und Josef ergangen ist oder wie die Sterndeuter mit Herodes gesprochen haben', erläutert Hofer die Gestaltung des Herodestempels oder des orientalischen Landschaftsstils. Dabei setzt er sich auch historisch-kritisch mit dem biblischen Geschehen auseinander: Waren wirklich Elefanten dabei? Handelte es sich wirklich um einen Stall?

Der technische Zeichner ist sich sicher: 'Im nächsten Jahr wird die Krippe bestimmt wieder anders aussehen.' Doch zwei Dinge werden sich für ihn nicht ändern: Das Andenken an seine Vorfahren, die mit dem Werk begonnen haben, sowie das Gedächtnis an das Jesuskind, das die Weisen aus dem Morgenland königlich ehrten.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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