Marktoberdorf
«Besserem Polen den Kopf abgeschnitten»

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«Es ist, als ob man dem besseren Polen den Kopf abgeschnitten hätte», sagt Andreas Pyzik. Der aus Krakau kommende Musiklehrer am Gymnasium findet drastische Worte für den Absturz der Präsidentenmaschine nahe Katyn, bei der 96 Menschen ihr Leben ließen. Landsmännin Katharina Herman und der polnische Pfarrer Dr. Heinrich Krowicki (Leuterschach) sprechen von einer «menschlichen Tragödie».

«Damit sind die wichtigsten Leute Polens auf einen Schlag weg», so Pyzik. Gerade die Politiker, die in den 20 Jahren seit Fall des Eisernen Vorhangs dort viel aufbauten. Präsident Kaczynski war Gründungsmitglied der Gewerkschaft Solidarnosc, die 1989 den Abschied vom Kommunismus erzwang, betont er.

Und mit Anna Walentynowicz - Heldin der Streikbewegung in Danzig - sei eine Legende ums Leben gekommen. Zugleich bedauert Pyzik, dass bei dem Unglück Zeitzeugen ums Leben kamen, die ihr Wissen über Stalins Massaker bei Katyn nun nicht mehr weitergeben könnten.

Wegen des Flugzeugabsturzes haben seiner Meinung nach die politischen Gegner der Konservativen nun freie Hand: Er hofft, dass diese die Situation nicht ausnutzen - sondern das polnische Volk, wie beim Tod von Papst Johannes Paul II., näher zusammenrücke. Das Gebet für die Absturzopfer hat er im Internet live verfolgt, erzählt der Musiklehrer, der seit 1983 in Deutschland lebt.

Pyziks Kollegin, Musiklehrerin Katharina Herman, ist «sprachlos» angesichts des Flugzeugabsturzes mit so vielen Opfern: Sie betont das Symbolische des Unglücks, «in dem Jahr, da sich das Massaker in Katyn zum 70. Mal jährt».

Ihre Familie ist von diesem persönlich betroffen: «Mein Urgroßvater kam dort um.» Angesichts der russischen Anteilnahme für die Opfer des aktuellen Flugzeugunglücks hofft sie zugleich, dass «das tragische Ereignis zwei Länder einander näher bringt, die vieles aufarbeiten müssen.»

Ähnlich äußert sich Pfarrer Dr. Heinrich Krowicki aus Leuterschach. Was den Tod der polnischen Elite bei dem Unglück angeht, zieht er Parallelen zu Katyn, wo Stalin tausende polnische Offiziere und Intellektuelle umbringen ließ. Wie Pyzik betont er die Schwierigkeit, würdige Nachfolger für die Verunglückten zu finden. Angesichts der Katastrophe bedauern er und Pyzik gleichermaßen, dass sie derzeit nicht vor Ort in Polen sind. (hkw)

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