Ausbildung
Berufsberater verhilft unmotivierten Jugendlichen zu geregeltem Arbeitsleben

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Vorstrafen statt Schulabschluss, unmotiviert, schlechte Noten und falscher sozialer Umgangston: Jugendliche, die diese Negativ-Kriterien erfüllen, bleiben bei der Lehrstellensuche oft auf der Strecke. Helmut Lauber weigert sich jedoch, diese jungen Leute aufzugeben. Wie er ihnen Perspektiven aufzeigen will, erzählt der Leiter der Berufsberatung der Arbeitsagentur Memmingen im Interview.

Herr Lauber, Sie haben 2009 das Projekt Aktivierungshilfen begonnen, bei dem junge Erwachsene unter 25 Jahren auf das Berufsleben vorbereitet werden. Jetzt haben Sie etwas Neues vor.

Lauber: Ich will die Erfahrungen daraus fortführen. Wir planen für den Herbst diesen Jahres ein Projekt für Jugendliche unter 25 Jahren, die schwerwiegende Hemmnisse im Bereich Motivation und soziale Kompetenz aufweisen und auf andere Weise nicht mehr erreicht werden können.

Wie soll das genau aussehen?

Lauber: Wir wollen sie an einen Acht-Stunden-Tag ranführen und über praktische Tätigkeiten motivieren. Sie sollen zum Beispiel alte Autos und Fahrräder restaurieren, Vandalismusschäden beseitigen und Spielplätze herrichten.

Wie werden sie dabei betreut?

Lauber: Noch enger als bisher. Jetzt kümmern sich zwei Betreuer - einer aus dem sozialpädagogischen, einer aus dem praktischen Bereich - um zwölf Personen. Künftig planen wir Gruppen mit acht. Das macht die Angelegenheit teuer.

Und sicher kostet nicht nur das?

Lauber: Richtig. Wir brauchen auch eine gescheite Werkstatt und ein Fahrzeug, damit wir Jugendliche, die nicht auftauchen, zuhause abholen können. Um etwas zu erreichen, muss man ihnen so auf die Nerven gehen, dass sie nicht mehr anders können, als mitzumachen.

Aber zur Teilnahme zwingen können Sie niemanden, oder?

Lauber: Die Berufsberatung nicht, aber das Jobcenter über Leistungskürzungen und das Jugendamt haben einen gewissen Einfluss.

Wer arbeitet alles an dem Projekt mit und wer bezahlt es?

Lauber: Finanziert wird es hauptsächlich über die Arbeitsagentur. In der Arbeitsgruppe sind Berufsschule, Jugendamt Unterallgäu, Jobcenter und Berufsberatung. Wir wollen auch Drogen- und Schuldenberatung einbauen. Solange eine Sucht besteht, sind die jungen Leute gar nicht fähig zur Weiterbildung. Auch Sprachförderung und gesunde Lebensführung werden Themen sein. Sie sollen zum Beispiel lernen, was zu einem guten Frühstück gehört. Und wir wollen es ihnen ermöglichen, in Betrieben Erfahrungen zu sammeln.

Bekommen die Jugendlichen Geld für ihre Arbeit?

Lauber: Nicht für die bloße Anwesenheit, aber für Leistungen. Es gibt zum Beispiel einen bestimmten Betrag, wenn sie ein zerstörtes Karussell auf einem Spielplatz repariert haben. Wie viel Geld das ist, sollen die Jugendlichen selber mit ausarbeiten, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, welchen Wert die Dinge haben, die sie vielleicht selbst schon kaputt gemacht haben. Außerdem wollen wir so ihr Selbstverständnis für den Wert ihrer Person und ihrer Arbeit stärken. Das kennen sie von zuhause oft nicht.

Wie erfahren Sie von Jugendlichen, denen das Projekt helfen könnte?

Lauber: Teils sind sie bei uns arbeitslos gemeldet, aber hauptsächlich über die Arbeitslosenklassen der Berufsschule und das Jugendamt.

Gibt es Zahlen, wie viele junge Leute im Unterallgäu in Frage kommen?

Lauber: Das ist schwer zu sagen. Aber der betroffene Personenkreis wird sicher nicht kleiner, auch wenn es künftig weniger Junge gibt. Da muss man dranbleiben. Wir müssen uns mit den jungen Leuten beschäftigen, bevor sie uns beschäftigen, sonst wird es richtig teuer.

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